Goodbye Deutschland ...

 

und etliche andere Sendungen gleichen Inhalts geistern nun seit Monaten durch die Programme und es treibt einem die Gänsehaut in den Nacken, wenn man miterlebt, mit welcher Naivität so manche Zeitgenossen die deutschen Grenzen überwinden, um selbige - so hoffen sie - für immer hinter sich zu lassen.

Völlig unbelastet von Sprachkenntnissen und finanziell nicht selten gepolstert mit ganzen 1.000 oder 2.000 €, erwarten sie, dass Spanier, Italiener, Griechen oder andere Mittelmeerbewohner an den jeweiligen Grenzen Spalier stehen, um die Neuankömmlinge frenetisch jubelnd zu begrüssen - so wie damals beim Mauerfall in Berlin.

Wenn Einheimische - die zufälligerweise die Landessprache beherrschen und meist auch noch eine berufs- und landesspezifische Ausbildung vorweisen können - sich mit 1.000 oder 1.200€ Netto im Monat zufrieden geben (weil das halt nunmal so in diesem Land Standard ist) beklagen sich viele Neulinge, dass man hier im Ausland mehr und härter arbeiten muss und trotzdem weniger verdient - sie als Deutsche wären an 2.000€ und mehr gewöhnt und möchten doch bitteschön ihren dementsprechenden Lebensstandard aufrechterhalten - tja, dann hätten sie halt daheim bleiben sollen.

Jetzt mal für alle Auswanderungswilligen :

Es gibt kein Land auf der Welt, in dem alles so ist wie daheim aber dafür mit ständig Sonne
und wo sich alle Probleme von selbst in Wohlgefallen auflösen, während man am Pool Siesta macht !!

Es gibt kein Land auf der Welt, in dem Alles gut und optimal ist

 

Man geht ins Ausland, weil man etwas anderes sucht,
als das, was man Zuhause hat

 

Im Ausland lebt es sich nicht zwangsläufig besser - aber auf alle Fälle anders

 

Wer sein Leben in der eigenen Heimat schon nicht in den Griff bekommt,
schafft es im Ausland erst recht nicht
(jetzt mal von den Wenigen abgesehen, die im falschen Körper bzw. mit der falschen Nationalität geboren wurden )

 

Wenn deutsche Touristen mitbekommen, dass ich ständig hier lebe, kommen immer wieder die gleichen Fragen : Wieso, wie, wann ...

Es gibt zwar mit Sicherheit kein patentiertes Erfolgsrezept, aber einigen Grundregeln kann man folgen. Vor allem : in einem Land zu leben, ist ganz etwas anderes, als dort Urlaub zu machen. Ich war deshalb erst mal für einen Sommer hier an der Côte d'Azur und habe mir einen Job als Kellner gesucht. Im Gepäck nur das Nötigste und alles andere erst mal in Deutschland eingelagert. Nach Ablauf der Saison und dem Entschluss, mich hier definitiv niederzulassen, bin ich über den Winter zurück nach Deutschland, um dort alles zu regeln. Meine Steuernummer beim Finanzamt gelöscht, Abmeldung auf der Gemeinde, Vorbereitung des Umzugs usw usw.
Anfang April, rechtzeitig vor Beginn der Sommersaison wieder runter in den Süden und ein Appartment gesucht und erst dann mein Hab und Gut nachgeholt - nicht wie so manche Chaoten, die sich mit Sack und Pack ins Ausland aufmachen, ohne überhaupt zu wissen, wie das vor Ort funktioniert, wo sie wohnen werden etc.
Und dann vor allem erst mal die Sprache perfektionieren. Erstens macht es keinen Spass in einem Land zu leben, wenn man fast nichts von dem versteht, was um Einen herum vorgeht und zweitens ist es für das berufliche Fortkommen nicht gerade förderlich, wenn man sprachlich nicht fit ist. Wenn man die Landessprache weitgehend fliessend beherrscht, dann - und erst dann ! - werden die muttersprachlichen Kenntnisse für einen potentiellen Arbeitgeber unter Umständen interessant - aber an erster Stelle steht immer die Landessprache, sonst reduziert man sich auf einige wenige Jobs mit deutschen Touristen und das eher auf dem Niveau eines Pausenclowns, denn sobald der Job anspruchsvoller wird, hat man auch wieder mit den einheimischen Kollegen zu tun und dann ist halt wieder mal die Landessprache gefragt.
Als "Nightmanager" in einem Luxushotel war ich beispielsweise nicht nur verantwortlich für den Kundenkontakt mit den spätabends heimkehrenden Hotelgästen sowie den Reservierungswünschen der überseeischen Klientel - welche wegen der Zeitverschiebung natürlich mitten in der Nacht anrufen -  sondern ich musste natürlich meine kleine Crew von Roomservice, Wagenmeister, Kofferträger und Security managen (natürlich alles Franzosen), die Datensicherung fahren (auch die logischerweise auf französisch) und bei auftretenden Problemen diese bis Tagesanbruch ganz alleine (oder mit Hilfe der - französischen - Hotline ) lösen, die Infos für die Tagescrew zusammenstellen, kurz : den Laden alleinverantwortlich schmeissen, bis morgens die Tagesschicht, angefangen vom Tellerwäsche über den Concierge bis hin zum Direktor eintrifft - denn ein Luxushotel muss rund um die Uhr zu 100% funktionieren, da kann man niemanden brauchen, der die Landessprache nur in Ansätzen und radebrechend beherrscht.
Also ohne eine gute sprachliche Basis und den Ehrgeiz, diese Basis dann im Land ständig zu verbessern : lieber gleich im deutschsprachigen Raum bleiben oder bis zur Rente warten.
Niemand erwarten von einem Ausländer, dass er die Sprache eines Tages wie eine Muttersprache spricht, das ist nahezu unmöglich, aber es muss eine Unterhaltung ohne grosse Anstrengungen möglich sein - beiderseits, denn auch für den Zuhörer kann ein Gestammel ganz fürchterlich anstrengend sein.

Wenn mich heute Franzosen auf meinen Akzent ansprechen, fragen viele, ob ich denn nun Belgier oder eher Elsässer sei - wenn sie dann hören, dass ich Deutscher bin, sind sie überrascht und eher beeindruckt, zumal Franzosen selbst nur wenig Fremdsprachen beherrschen.
Sitzt erst mal die Sprache, dann klappts auch mit dem Job - und der (einheimischen) Nachbarin

 

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