Marken, Ideen, Marketingkonzepte : * Beaujolais Nouveau * La vache qui rit * Bikini
Brauchtum, Eigenheiten, Rituale : * Küsschen, Küsschen * 1.Mai * Fête des Mères - Muttertag * Sainte Catherine *
* Weihnachten * Heilig Drei König * Foie gras * Chapon-Huhn = Kapaun * Bûche - der Holzscheit aus der Gefriertruhe *
* Chandeleur - das Fest mit Crêpes * Dîner Blanc - weisses Dinner * Hochzeitsbräuche und Gesellschaftsspiele *
* Baguette - 1001 Rezepte * Essen und Trinken * Jubiläum der Sterne * MOF *
* Pan Bagnat * Küchen-Französisch * CHEF oder PATRON * Bag in Box *
* Tee und Infusion * Mineralwasser * Pêches de vigne
Sonstiges : * Sport * Wahlbeteiligung * Plan "Vigipirate" *
* Schule schwänzen * Sitzenbleiben * Gutes Benehmen * Aktion "1 € pro Tag" *
* Gülle gegen Techno * Schlager, Chansons ... * Reality - TV * Bimbo *
* Comédie * Les Bronzés * Coluche * Restos du Coeur * Abbé PIERRE *

Die Weine des Beaujolais waren zwar schon immer bekannt aber selbst die Besten unter ihnen schafften es nie mit beispielsweise den Bordeauweinen preislich und im Prestige gleich zu ziehen. Allgemein wurden sie eher als ein kleiner, sympathischer Wein angesehen, fruchtig und frisch, den man mit Freunden im Bistro trinkt, auf Feiern etc und vor allem in seiner eigenen Region.
In den 50-er Jahren machten sich die Brüder Roger und
Georges Duboeuf Gedanken, wie sie das vom Vater übernommene Weingut noch besser
vermarkten könnten. Anstatt wie bisher den Wein en gros an Handelsnetze
abzugeben, machte sich Georges daran, die Sterne-Restaurants des Guide Michelin
abzuklappern und dort seinen Wein persönlich den Küchenchefs anzubieten. Das funktionierte
ganz gut und so weitete er seine Aktivitäten auf ganz Frankreich aus. Schon
bald konnten die Brüder die Nachfrage alleine mit ihrem kleinen Weingut nicht
mehr befriedigen und begannen Wein von den benachbarten Gütern aufzukaufen.
Sie entwickelten sogar einen LKW, der als fahrbare Abfüll- und
Verkorkstation ausgebaut war, mit dem sie von Hof zu Hof fuhren.
Die Gastronomen waren zufrieden und kauften nun neben dem bisherigen Weißwein
auch den Roten.
Da der Beaujolais wie bereits gesagt nie das Preisniveau
der "Edelweine" erreichte, musste sich Georges etwas anderes einfallen lassen und
er verlegte sich auf den Beaujolais Nouveau, jenen ganz jungen Roten der schon
kurz nach der Ernte verkauft wird und nur einige Monate genießbar
bleibt.
Ursprünglich nur in der Region bekannt und getrunken, begannen viele Vertreter
den Nouveau in ganz Frankreich zu vertreiben. Georges musste sich also etwas
besonderes einfallen lassen, wenn er aus der Masse herausstechen wollte.
Er begann in den 60-ern, jedes Jahr am dritten Donnerstag im November ein
Riesenfest mit viel geladener Prominenz zu veranstalten, um den neuen Beaujolais
Nouveau auszuschenken und somit die Saison zu eröffnen. Klar, dass dies eine dementsprechende Neugier bei den
Medien erweckte, die das Event bekannt machten. Er führte dies so konsequent
weiter, dass heutzutage in 120 Ländern der Erde für seinen Beaujolais Nouveau
zeitgleich am dritten November-Donnerstag um Punkt 0.00 Uhr (französischer
Zeit) Verkaufsstart ist - immer begleitet von einem großen Fest mit Prominenz
aus der Showwelt und der Gastronomie.
Der Beaujolais Nouveau ist bekannt für seine fruchtigen
Noten; insbesondere die "fruits rouges" wie Himbeere, Erdbeere und
Cassis, aber auch etwas Banane. Um jedes Jahr dieses Hauptmerkmal in den
Vordergrund zu rücken, wird der Nouveau aus allen angelieferten Weinen der
Region komponiert. Dazu müssen Georges und zwei weitere Angestellte in nur 1
1/2 Monaten 13 600 verschieden Weinproben kosten (das sind im
Schnitt 400 pro Tag ! ). Dem nicht genug : anschließend werden die einzelnen
Weine von hochmodernen Computersensoren getestet, die den Wein nach seinen
Geschmacksanteilen klassifizieren. Auch werden bei der Reifung verschiedene
Temperaturen zu verschiedenen Zeitpunkten gesteuert, um die fruchtigen Noten
offenkundiger zu machen.
So entsteht schließlich der Wein, der in der ganzen Welt bekannt wurde,
verziert mit einem bunten Etikett, das ganz und gar nicht mit den konservativ,
klassischen Etiketten der "normalen" Weine vergleichbar ist - auch
eine Innovation von G. Duboeuf. Nicht umsonst beträgt sein Privatvermögen
heute über 20 Milliarden Euro.
Grossabnehmer bekommen bei Ihrem Besuch bei Duboeuf allerdings oftmals eine Auswahl einzelner Grundweine kredenzt, um daraus einen Beaujolais Nouveau nach Ihren Vorstellungen mischen zu lassen. Sogar das Etikett-Layout können sie sich aussuchen. Das ist keineswegs nur eine Schmeichelei seitens Duboeuf für einen Großabnehmer, das begründet sich mit den verschieden Geschmäckern. Japaner beispielsweise - nach Frankreich der zweitgrößte Nouveau Konsument - bevorzugen den Nouveau noch fruchtiger als er in Europa angeboten wird.
Nachteil des enormen Erfolges ist allerdings, dass die
Winzer kaum noch normalen Wein aus der Region verkaufen können, weil alle Welt
den Beaujolais nur mit dem Nouveau in Zusammenhang bringt. Duboeuf hat also
schon fast eine Monopolstellung und bestimmt die Preise. Steigen die
Transportpreise in der Luftfracht, sinkt für den französischen Winzer der
Liter-Erlös seines Erzeugnisses, weil es heutzutage zum Grossteil in Übersee
verkauft wird.
Andererseits verkaufen die Winzer auf diese Weise einen Grossteil ihrer Produktion
bereits nach nur 60 Tagen nach der Ernte und das auf einen Schlag ; ansonsten
ein Ding der Unmöglichkeit in dieser Branche.

So um 1920/25 überlegte ein gewisser Léon Bel, Produzent und Vertreiber von verschiedenen Käsesorten, was er wohl mit dem Käse machen könne, der unverkäuflich war, weil er entweder optische Mängel aufwies oder z.B. gebrochen war etc. Er beschloss ihn zu schmelzen und unter Beimengung von Butter und Creme entstand der Schmelzkäse. An sich noch etwas eher Banales. Um dieses Produkt besser verkaufen zu können, plante Bel etwas bis dato noch unbekanntes : ein komplettes Marken-Konzept ! Zuerst brauchte er einen Namen für sein Produkt. Er fand ihn durch Zufall : während des 1. Weltkrieges gab es als Anspielung auf Richard Wagners "La Walkyrie" : die "La Wachkyrie" mit dem Konterfei einer aus vollem Halse lachenden Kuh. Aus Kriegstagen hatte er einen Spezl, Benjamin Rabier, der ein bekannter Zeichner war und der ihm das Logo mit der roten Kuh unter dem Slogan "La vache qui rit" - die Kuh, die lacht - schuf (andere Quellen besagen, Rabier sei der Schöpfer der besagten Kuh und Bel habe sich diese nachträglich nur für sich schützen lassen - egal). Bel ließ seine Lieferwägen mit dieser Werbung bemalen, produzierte Emailschilder mit dem Logo und gründete 1926 in seiner Firma sogar eine eigene Werbeabteilung. Dieses neue Werbekonzept war so erfolgreich, dass bereits 1925 das erste Plagiat "la vache sérieuse" - die ernste Kuh - auftauchte.
In den 60'ern war "La Vache qui rit" der erste
Käse, für den im TV Werbung gemacht wurde und heutzutage kennen 100% der
Franzosen diesen Produktnamen. Allein im Stammwerk im französischen Jura
entstehen heute 3000 dieser Käsedreiecke pro Minute ! Und die Packung gibt es
in 40 verschiedenen Sprachen.
In Kairo beispielsweise, wo ein Grossteil der Bevölkerung mit weniger als einem Euro pro Tag
auskommen muss, kaufen die Leute "la vache qui rit" nicht Packungsweise,
sondern Dreieck für Dreieck. Er ist dort bei den Kindern sehr beliebt als
Aufstrich für das Pausenbrot und er hat den Vorteil, dass er nicht im
Kühlschrank gelagert werden muss, ein Luxusgut, das nur die Wenigsten besitzen.
Der Schmelzkäse besteht aus : Cheddarkäse aus Irland,
Emmentaler aus Bayern und Butter aus Portugal und vor allem Neuseeland.
(Da fragt man sich allerdings, wie es sein kann, dass Butter aus Neuseeland --
quasi dem anderen Ende der Welt und beileibe kein unterentwickeltes Billiglohn-
oder Dritte-Welt-Land -- billiger kommt, als Butter aus Europa ???!!! Man muss
auch kein Ökofreak sein, um das hin- und hertransportieren von überall
verfügbaren Gütern als unsinnige Umweltbelastung anzusehen)
Logischerweise provoziert Erfolg und Bekanntheitsgrad auch immer wieder Nachahmer, sodass das Unternehmen extra zwei Angestellte beschäftigt, die sich ausschließlich mit der Aufspürung und Verfolgung von Plagiaten beschäftigen. Die eingeklagte Summe für Plagiate beträgt 100.000 Euro pro Fall.
Die Firma ist heute immer noch in Familienbesitz und beherbergt mittlerweile Markennamen wie "Kiri", "Babybel" und "Apericubes"
Diese heutzutage so beliebte Badekleidung
wurde 1946 von dem französischen Ingenieur Louis REARD erfunden. Zu dieser Zeit
führte Frankreich gerade Atombombentests im Pazifik auf dem Bikini-Atoll durch
und Réard nutzte diesen Namen für seine Erfindung und fügte den Slogan "Bikini -
la bombe atomique" hinzu.
Angesichts der vielen gezeigten Haut - verglichen mit den konservativen
einteiligen Badeanzügen - empfahl man den Frauen auch gleich, "überflüssigen
Flaum" zu entfernen - sprich Enthaarung.
Zur
Präsentation wollte kein professionelles Fotomodell den Bikini tragen und Réard
mußte auf eine Nachtclubtänzerin zurückgreifen.
An der schon immer etwas freizügigeren
Côte d'Azur wurden die Bikinis geduldet aber die konservativeren Bürgermeister
an der Atlantikküste verboten dieses anstößige Kleidungsstück per Gesetz. Erst
als sich 1953 Brigitte BARDOT zum Filmfestival in Cannes in einem Bikini mit
Blümchenmuster zeigte wurden die Verbote aufgehoben.
1956, im Film "Et Dieu créa la femme" war Bardot die erste Schauspielerin, welche sich in einem Bikini vor die Kamera wagte.
* BRAUCHTUM * EIGENHEITEN * RITUALE *
"Faire la bise", zu
deutsch Küßchen machen, ist die Bezeichnung für das französische Begrüßungsritual
unter Freunden. Der Kuß auf die Wangen wird natürlich nur angedeutet, man
berührt ja quasi nur die Wangen und haucht gleichzeitig einen Kuß in die
Luft.. Selbst unter Männern sieht man das gelegentlich - vielleicht ein
Einfluß aus der arabischen Kultur, wo das unter Männern üblich ist. Abgesehen
von der " Schwierigkeit ", auf Anhieb zu erkennen, welche Wangenseite
zuerst dargeboten wird (es gibt schon mal Nasenzusammenstösse, wenn die rechte
Backe angeboten wird, der Andere aber auf die linke zusteuert), gibt es auch
noch eine Art Nord-Südgefälle was die Anzahl der "Bises" betrifft.
Im Süden reichen meist zwei - eins links, eins rechts - vier
gelten hier oft als angeberisch, Pariserisch. In Zentralfrankreich sind
es oftmals drei Küßchen und in Paris und weiter oben im Norden
sind vier die Regel - was bei größeren Gruppen ganz schön Zeit in
Anspruch nimmt und auf die Nackenmuskulatur geht.
Ausnahmen bestätigen auch hier wieder mal die Regel.
Am ersten Mai schenkt man den wichtigen Frauen in seinem Familienkreis (Oma, Mutter und vor allem Frau/Freundin) einen Strauss Maiglöckchen oder einen Strauss Blumen mit Maiglöckchen drin. Wenn Sie das bei einer Französin vergessen, dann brauchen Sie ihr eigentlich zum Geburtstag nur noch etwas Praktisches für den Haushalt zu schenken (beispielsweise ein neues Bügeleisen) und die Scheidung ist Ihnen sicher.
wird in Frankreich immer am letzten
Sonntag im Mai gefeiert. 2006 war der hundertste Jahrestag
dieses von dem französischen Lehrer Prosper ROCHE erstmals am 10. Juni 1906 in dem
Ort Artas initiiertem Festtag.
Die "Erfindung" des Muttertags wird oft fälschlicherweise den Amerikanern
zugeschrieben, in Wahrheit handelte es sich bei der in der USA-Version
erst 1908 begangenen
Zeremonie eigentlich um eine Gedenkfeier für die 1905 verstorbene Mutter von
Anna JARVIS, der Initiatorin des Feiertages. 1914 erklärte schliesslich der
amerikanische Präsident Woodrow
Wilson den jeweils zweiten Sonntag im Mai zum nationalen
Muttertag, was sich bald darauf auch in den angelsächsischen Ländern durchsetzte.
ist die Schutzpatronin der
ledigen Frauen und der nach ihr benannte Feiertag ist der 25 November. An diesem
Tag ist es Tradition, daß den Frauen, die in dem jeweiligen Jahr ihr 25. Lebensjahr
erreicht haben und immer noch unverheiratet sind, ein Hut aufgesetzt wird, den
sie den ganzen Tag über aufbehalten müssen. Dieser Hut wird dekoriert mit Dingen
aus dem täglichen Leben der "Catherinette", also beispielsweise Symbole ihres
Berufes, außergewöhnlicher Hobbys etc.
Wer also auf Brautsuche
ist, sieht an diesem Tag auf einen Blick welche Frau noch "zu haben" ist und
bekommt zugleich ein paar Indizien und "Hintergrundinfos" gratis vorweg
geliefert. Quasi "Flirten nach Gebrauchsanweisung"
kommt der "Père Noël", der Weihnachtsmann. Das
"Christkind" ist in Frankreich nicht bekannt - das
gibt es nämlich nur in den deutschsprachigen Ländern (wegen Luther) . Die
Geschenke gibt es am 25. Dezember morgens nach dem Aufstehen (der Weihnachtsmann
bringt die Geschenke in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag durch den Kamin). Für ganz
Ungeduldige gibt es meist am 24. schon Mal ein einzelnes Geschenk, den Rest dann
am 25.
Überall gibt es die "Village de Noël", die Weihnachtsmärkte. In Nizza (deutsche Partnerstadt von Nizza ist übrigens Nürnberg) befindet sich der Christkindlmarkt auf der Place Massena mit einem Riesenrad daneben, einer
Eislaufbahn (Schlittschuhe kann man mieten), vielen romantischen Buden und zwei
Kilometer weiter, an der Akropolis ist sogar ein Rummelplatz aufgebaut, der in der
danebengelegenen Halle auch Indoor-Achterbahnen bietet.
In Monaco ist der Weihnachtsmarkt am Hafen und ist recht aufwendig gestaltet (z.B. so richtig mit Burgmauer außenrum, mechanischem Esel und Ochs in der lebensgroßen Krippe und viel Deko - das Thema ändert sich aber jedes Jahr)
gibt es die Galette des
rois,
einen Kuchen in den eine kleine Porzellanfigur ( "la fève" ) eingebacken ist ( Vorsicht beim
Kauen ! ). Derjenige in dessen Kuchenstück sie eingebacken ist, bekommt die dem
Kuchen beiliegende Krone aufgesetzt und ist der Chef des Tages ;o)
Liegen der Galette zwei Kronen bei, so hat der König / die Königin das Recht
seine Tageskönigin / Tageskönig zu wählen ( Achtung : Konfliktpotential !!!
Genau überlegen, sonst gibt's vielleicht schon den ersten Ehekrach im Neuen
Jahr ;o)
Es gibt zwei Formen der Galette : einmal eine Form von Hefekranz mit Zuckerstreusel drauf und zum anderen einen Kuchen aus Blätterteig mit einer Füllung namens "Frangipane" - sehr lecker
die Enten- oder Gänsestopfleber ist eine beliebte
Vorspeise - nicht nur, aber vor allem - in der Weihnachtszeit. Es gibt sie roh
(cru),
halbgekocht (mi-cuit) oder ganz gekocht
(cuit) und wird mit einem süßen, goldgelben Weißwein
wie dem Monbazillac, einem Sauternes oder einem Cadillac,
sowie Toast oder getoastetem
Baguette und - vor allem in der Gegend des Limousin - mit Zwiebelkonfitüre
serviert (Zwiebelkonfitüre jedoch nur mit den gekochten, nicht mit den rohen foie gras)
Viele machen "le foie gras" selbst ein und jede Familie hat
natürlich ihr eigenes Geheimrezept. Oft hat das, was im Ausland unter diesem
Namen verkauft wird, jedoch nur sehr wenig Ähnlichkeit mit dem französischen Original.
Die Beimengung anderer Luxuserzeugnisse wie Trüffel ist Geschmacks- und vor
allem Ansichtssache. Wir halten es für unsinnig. Alles für sich, ein
hausgemachtes foie gras einerseits und die Trüffel pur in Rühreiern oder über
Butternudeln gehobelt andererseits - unvergeßliche Momente reinen
Gaumenglücks.
Foie gras cru (roh) : die foie
gras wird in Alkohol, vorzugsweise einem Dessertwein (siehe oben) mit Gewürzen
über mehrere Tage eingelegt. Der Alkohol "kocht" bzw. mariniert die
foie gras. Man trinkt dazu den gleichen Wein, der als "Marinade"
diente (den gleichen; nicht die Marinade !)
Wird in Deutschland schwer zu finden sein, da das ein Produkt ist, welches
sofort verzehrt wird, da es nicht konservierbar ist.
Bei der Foie gras cuit (gekocht) hingegen, gibt es zwei Probleme : einmal ist die Sterilisation sehr wichtig; macht man da Fehler, kann man alles hinterher wegwerfen - das stinkt wie Seuche. Das zweite und viel größere Problem ist : die gekochte Foie gras muß mindestens sechs Monate an einem kühlen, dunklen Ort reifen. Das erfordert ungeheuer viel Disziplin ;o) Man möchte am liebsten sofort naschen.
Nur zur Weihnachtszeit
erhältlich sind die sogenannten Chapon - Hühner. Während ihrer Kükenzeit sind es
erst mal "nur" Bressehühner. Das "nur" steht in Anführungszeichen, da die
Bezeichnung Bressehuhn ja bereits eine Auszeichnung für sich bedeutet (Bressehühner
sind das einzige Geflügel, das eine AOC-Bezeichnung führen darf). Bressehühner
leben 4 Monate, Masthühner 5 und der Kapaun ganze 8 Monate.
Doch zurück zu den Küken : aus diesen werden nun die schönsten männlichen
Vertreter herausgesucht und kastriert. Sinn und Zweck dieser¨Prozedur ist, daß
der Kollege keine Zeit und Kraft mehr darauf verschwendet, den Mädelz
hinterherzulaufen, sondern sich ausschließlich aufs Fressen konzentriert. Das
klappt so gut, daß er am Schluß doppelt so viel wiegt, wie seine weiblichen
Artgenossen. Im letzten Lebensmonat gibt es dann auch noch spezielle,
gehaltvolle Mahlzeiten, um das Gewicht noch mal zu optimieren.
Nach seinem künstlich herbeigeführtem Ableben (= Schlachten ) wird der Körper
nach einem speziellen Verfahren für zwei Tage in ein Leintuch eingenäht und
dadurch ziehen erstens die körpereigenen Fette ins Fleisch ein und ergeben somit
das zarte und geschmackvolle Fleisch, zweitens erhält er dadurch seine typische
Form (ähnlich einem Rugby-ball).
Bei der Zubereitung sollte man darauf achten, daß sein Geschmack erhalten
bleibt (also nicht durch Gewürze alles übertönen) und vor allem sollte er nicht
beim Braten verbrennen : ein 4-Kilo-Chapon kostet beim Metzger locker mal die
Kleinigkeit von 140€ !!!
Bûche - der Holzscheit aus der Gefriertruhe

Früher wählte man eine "bûche", also einen Holzscheit -
vorzugsweise aus Eiche - aus und legte ihn am Heiligabend in den Kamin. Brannte
er die ganze Weih-Nacht, bedeutete dies Glück für die gesamte Familie im
kommenden Jahr.
Mangels offener Kamine wird der Scheit aus Holz heutzutage durch eine
holzscheitförmige Torte aus Biscuitteig oder gerne auch durch eine Eistorte ersetzt, die in
der Weihnachtszeit als Dessert dient.
Weihnachten ohne "bûche" geht in Frankreich eigentlich gar nicht.
Chandeleur - das Fest mit Crêpes
fällt jedes Jahr auf den 2.Februar und war ursprünglich ein Fest zu Ehren der Toten und wurde später ein christliches Fest (seit 472) zu Ehren der Jungfrau Maria. Der Name Chandeleur und sein Beiname "Fest des Lichtes" kommt von den geweihten Kerzen, welche man an diesem Tag in Prozessionen zur Kirche trug und auch von den Kerzen, welche man an diesem Tag überall im Haus aufstellte und anzündete.
Die Pilgerer zu Rom hatten einst den Papst veranlasst, Hostien und Oblaten verteilen zu lassen, aus denen im Lauf der Zeit Galette und dann Crêpes wurden und so wurde dieser Festtag zum Fest mit den Crêpes.
Le Diner Blanc - das weisse Dinner
1988 befand sich ein gewisser François Pasquier in der misslichen Situation, dass seine für ein Sommerfest eingeladenen 200 Freunde nicht mehr in seinen Garten passten. So wich er kurzerhand in einen öffentlichen Park, den Bois de Boulogne aus. Im vierten Jahr dieses Festes, bei dem alle Gäste ausschließlich in Weiß gekleidet sind ( daher der Name ' das weisse Dinner') beschloss er, das Event - ohne Genehmigung - mitten in Paris abzuhalten und fand damit so großen Anklang bei seinen Gästen, dass dieses Fest seitdem jeden Juni stattfindet : Einige ausgewählte Helfer organisieren die Gäste nach fast militärischer Strenge und unter absoluter Geheimhaltung : jeder Gast muss zu einem präzisem Zeitpunkt an einem bestimmten Punkt sein und erhält dort weitere Anweisungen, sei es durch einen Helfer, sei es durch SMS o.ä. Alle sind wie gesagt weiss gekleidet und jeder hat einen Klappstuhl dabei, einen Klapptisch, ein weisses Stofftischtusch nebst Serviette und weisses Porzellangeschirr, sowie seine Picknickverpflegung unter dem Arm. Niemand weiß, wohin die Reise geht, bis zu dem Zeitpunkt, an dem alle Teilnehmer im gleichen Moment am Ziel ankommen. Zum 20. Jubiläum kamen 7.400 Personen zu Fuß, mit der Metro und mit 45 !! Reisebussen innerhalb von nur 2-3 Minuten an einem Punkt der Champs Elysée an und schlugen ihre Tische und Stühle so schnell auf, dass die Polizei keine Zeit fand, sie daran zu hindern.

Allerdings muss erwähnt werden, dass die Polizei noch nie ernsthaft etwas gegen dieses wilde Picknick unternommen hat, denn nach drei Stunden ist der Spuk wie von Geisterhand vorbei und es bleibt kein einziges Fitzelchen Papier auf dem Gehweg zurück !
Hochzeitsbräuche und Gesellschaftsspiele
sind ja eigentlich nicht so mein Ding, aber kürzlich habe ich auf einer Hochzeit in der Bretagne drei nette Spiele bzw Bräuche kennengelernt (vielleicht kennen Sie es ja schon - ich war bisher erst auf 3 - 4 Hochzeiten und kenne mich da also nicht so genau aus)
1) eine Art 'Reise nach Jerusalem' : es
gibt immer einen Stuhl weniger als Mitspieler. Ein Moderator stellt den Spielern
eine Aufgabe, wie z.B. bringt mir einen schwarzen Schuh. Alle stürmen los und
das Publikum hilft den Spielern natürlich so gut es geht - Pech ist nur, wenn
ein hilfsbereiter Zuseher seine Schnürsenkel nicht rechtzeitig aufbekommt und
ein Spieler den Schuh samt drinsteckendem Zuschauer auf die Bühne schleift.
Wer als Letzter mit seiner Beute zu den Stühlen zurückkommt, hat natürlich
keinen Sitzplatz mehr und muss ausscheiden. Der Moderator verkündet daraufhin
die Aufgabe, welche der Verlierer dem Hochzeitspaar im Laufe des ersten
Ehejahres erbringen muss. Hassen die Eheleute beispielsweise Schuheputzen, muss
dieser Verlierer einmal zu ihnen nach Hause kommen und all deren Schuhe putzen
u.ä.
Ideen gibt es da haufenweise und sollten natürlich individuell auf die Vorlieben
bzw Abneigungen des Hochzeitspaares angelegt sein.
So geht es Runde für Runde weiter (8 - 10 Mitspieler sollten es zu Beginn also mindestens sein) bis schließlich ein Spieler am Schluss den letzten Stuhl ergattert, der hat dann natürlich gewonnen und wird logischerweise nicht "bestraft" sondern muss vom Hochzeitspaar innerhalb des ersten Ehejahres zum Essen eingeladen werden.

2) Das (Post-) Kartenspiel : Man nehme ein Kartenspiel (54 Karten), entferne die zwei Joker und die verbleibenden 52 Karten werden jeweils auf ein kleines Stück Karton geklebt (am besten mit so genannten 'Fotoecken', damit die Spielkarte nicht beschädigt wird) und mit einer Kalenderwoche versehen und an die Hochzeitsgäste verteilt. Jeder Gast muss nun die Spielkarte innerhalb der angegebenen Woche mit einem kleinen Gruß an das Hochzeitspaar schicken, somit wird das Hochzeitspaar ein Jahr lang wöchentlich an seine Hochzeitsfeier und deren Gäste erinnert. In unserem Fall müssen wir die Karte zum Beispiel in der Woche vom 15 bis 21 Februar 2010 abschicken.
Ziel ist es natürlich, dass das Ehepaar am Ende des ersten Ehejahres das vollzählige Kartenspiel gesammelt hat, behaftet mit zahlreichen Erinnerungen.
3) 'Le sucrier des mariés' (Die Zuckerdose des Hochzeitspaares) : Während der Hochzeitsfeier wird ein Korb mit in Papier eingewickeltem Würfelzucker (so wie man ihn aus Restaurants oder Kaffees kennt) herumgereicht. Dazu gibt es kleine Zettelchen und ca 10 cm lange Abschnitte eines schönen Textilbandes (wie z.B. zum Haarschleifchen machen o.ä.). Jeder Gast schreibt einen persönlichen Spruch auf das Zettelchen und wickelt damit einen Würfelzucker ein und macht ein Schleifchen drum, damit es auch hält. Alle Zuckerstückchen kommen in eine Zuckerdose für den Frühstückstisch des jungen Paares. Jeden morgen zum Kaffee können sie nun einen Zuckerwürfel öffnen und rätseln, von welchem Hochzeitsgast der Spruch wohl stammen könnte - denn natürlich werden die Botschaften nicht unterschrieben.
Kaum ein Baguette eines Bäckers
gleicht dem eines anderen Bäckers. Und so sucht sich jeder Kunde seinen
Lieblingsbäcker (außer den Ignoranten, die industrielles Baguette im
Supermarkt kaufen). Die Supermärkte haben den klassischen, handwerklichen
Bäckern das Leben eine Zeitlang ganz schön schwer gemacht. In der guten alten
Zeit war nämlich das Bäckerhandwerk schon fast ein Beamtenstatus : alles war
reglementiert und sogar die Preise waren landesweit festgesetzt.
1978 wurde dann die Preisbindung aufgehoben und die großen Supermarktketten
unterboten mit ihrer Massenproduktion die Preise derart, daß es einem Bäcker
unmöglich war dabei mitzuhalten, wenn er sein Baguette nicht unter dem
Herstellungspreis verkaufen wollte.
Schnell etablierten sich auch Hersteller, die Brotteig maschinell bearbeiteten,
die diversen Brote maschinell formten und im Rohzustand tiefgefroren an
Franchise"bäckereien" - also unter ihrem Logo firmierend - lieferten.
Die Einrichtung der Franchisegeschäfte glich der eines handwerklichen Bäckers
und auch die Preise lagen auf dem gleichen Niveau, mit dem gravierenden
Unterschied, daß der Bäckereibetreiber selber gar kein Bäcker sein mußte -
er schiebt die vorgefertigten Brotlaibe ja nur noch in einen programmierten Ofen
- und die Gewinnspanne war 2 - 3 mal so hoch wie die des konventionellen
Bäckers.
Um die Bäcker und das Handwerk allgemein zu retten, verabschiedete der spätere
Premierminister J.P.Raffarin in seiner damaligen Funktion als Minister für Handel und
Handwerk ein Gesetz, daß sich nur noch "Boulangerie" nennen darf, wer
das Brot im gleichen Ladenlokal herstellt und bäckt und sich außerdem keiner
Tiefkühlprodukte bedient.
Der Müllereibetrieb "Banette"
hat einen Brottyp entwickelt, der sich unmöglich mit Maschinen herstellen
läßt. Das so genannte "Banette" hat sehr dünne, spitz auslaufende
Enden, die bei maschineller Produktion unweigerlich brechen würden. Bäcker,
die sich dazu verpflichten ihr Mehl ausschließlich bei "Banette" zu
kaufen, dürfen deren Rezepte verwenden. Zwar kostet das Mehl zirka 15 % mehr
als anderswo, aber der Bäcker profitiert vom Know-how des Müllers. Denn dort
ist z.B. ein Bäckermeister das ganze Jahr damit beschäftigt ein neues Produkt
zu entwickeln - neue Rezeptur, neue Form etc - das er in den verschiedensten
Zusammenstellungen und Mengenverhältnissen herstellt und bäckt, um es dann von
unabhängigen Testern verkosten zu lassen bis hin zu einem perfekten neuen Brot
inklusive Marketingstrategie, Verkaufsberatung und -unterstützung seitens
hauptberuflicher Marketingfachleute.
Und trotz alldem Aufwand steht am Schluß dieser Kette immer noch der
individuelle Bäckermeister mit all seiner Erfahrung und seinem Geschick das
Brot in alter Handwerkstradition zu backen.
Was natürlich auch heißt, daß zwei verschiedene Bäcker unter dem Logo "Banette"
unter Umständen trotzdem zwei völlig verschiedene Baguette herstellen. Es
liegt also an jedem selbst, seinen Lieblingsbäcker zu suchen und zu finden.
ist bekanntermaßen generell ein wichtiges Thema in
Frankreich. Obwohl Fastfood weit verbreitet und für zwischendurch sehr beliebt
ist, kann man dennoch ausgiebig über gutes Essen und Weine diskutieren. Kinder
lernen schon in der Volksschule, Weine zu unterscheiden, lernen deren Qualitätsmerkmale, Anbaugebiete, Geschichte etc : Heimatkunde auf französisch
eben.
Wer nicht über derart fundiertes Wissen in der Welt des Weines verfügt, kann
sich bei der Auswahl der Weine zum Essen schon Mal mit der folgenden Faustregel
behelfen : Zum jeweiligen Essen einen Wein aus der selben Region wählen ! Banal,
aber macht Sinn, denn die örtlichen Gegebenheiten wie Klima oder beispielsweise
die vorherrschenden Pflanzen finden sich immer wieder in den Geschmacksnuancen
-- sowohl im Wein als auch in den Lebensmitteln -- wieder und somit harmonieren Wein und Essen in der Regel schon an der Basis
recht gut. Eine Region mit rauem Klima hat in der Regel eine schwerere Küche
und auch gehaltvolle, schwere Weine; die mediterrane Küche wiederum ist leicht,
genauso wie ein Bandol oder ein Côte de Provence : paßt also!
In einem vernünftigen Restaurant ist der Kellner nicht nur ein
schlichter Tellerträger, er kennt die Speisen des Lokals genau und weiß,
welcher Wein am besten paßt. Scheuen Sie sich nicht nach seiner Meinung zu
fragen - in einer Kfz-Werkstatt sagen Sie dem Mechaniker ja auch nicht, wie er
was zu machen hat, sondern vertrauen auf seine Ausbildung; hat ihr Ego jemals
darunter gelitten ? Nein -- also warum sollten Sie es im Restaurant nicht
genauso machen ?
Wenn ihnen der Kellner einen Wein vorschlägt, der ihre finanziellen
Vorstellungen überschreitet, können Sie das ruhig sagen, er ist auch nur ein
normaler Gehaltsempfänger, der sich sein Monatseinkommen -- wie die meisten
Menschen -- auch einteilen muß. Da ist gar nichts dabei; im Gegenteil.
Ein Problem haben nur diejenigen damit, die in einem dicken Auto (geleast oder
bis zur Halskrause finanziert) vorfahren, den dicken Macker simulieren und
zuhause dann auf Obstkisten sitzen, weil das Geld dafür draufgeht, die Umwelt
zu beeindrucken. Motto : man kauft mit Geld das man nicht hat, Sachen die man
nicht braucht um Leute zu beeindrucken die man nicht kennt ! In Frankreich gibt
es davon zum Glück relativ wenige (Paris und v.a. St. Tropez einmal
ausgenommen) Ein Blick auf die Autos genügt und man sieht, daß in Frankreich
ein Auto vor allem ein Fortbewegungsmittel ist : Man kann nie von einem Auto auf
den "sozialen Stand" schließen. Abgesehen davon ist das ja auch
eigentlich uninteressant, oder ?
Ein angenehmes Erlebnis
hatten wir diesbezüglich in Aix-en-Provence. In Jeans und Sweatshirt gewandet
kamen wir zu viert in ein gediegenes Restaurant. Der einzige noch freie Tisch
war für 6-8 Personen vorgesehen, direkt am einzigen Fenster des Restaurants
gelegen - kurz : normalerweise keine Chance.
In diesem Fall aber "pas de problème". Selbst auf die Gefahr hin,
daß wir nur ein Nudelgericht mit 'ner Cola konsumieren würden (was eher zu
unserer Erscheinung gepaßt hätte). Die Kellner waren ausgesprochen
höflich und zuvorkommend, keine Spur von Arroganz etc.
Daß wir uns schließlich für das "Menü nach Inspiration des
Küchenchefs" - 10 Gänge mit den feinsten Raffinessen der französischen
Küche - und einer dementsprechenden Gesamtrechnung (für
wie gesagt 4 Personen) von 350 Euro entschließen würden (war aber jeden Centimes wert!),
wußten selbst wir beim Betreten des
Restaurants noch nicht.
Das Restaurant heißt übrigens "Les Bacchanales" und befindet sich in
der Altstadt von Aix; Inhaber sind Elizabeth und Henri Flavien, Küchenchef :
Laurent Uliana.
Es gibt Menüs von 29 bis 55 Euro (letzteres eben dieses
"Inspirationsmenü"). Daß man zu dem großen Menü u.U. verschiedene
Weine, je nach Gang ordert, versteht sich von selbst und vor allem da sollte man
sich auf den Sachverstand des Sommeliers verlassen (in unserem Fall hatten wir
ohnehin die Option "Überraschung" gewählt, das heißt der Kellner
fragt lediglich danach, welche Gerichte man nicht mag, verrät aber
nichts über die Menüfolge - man muß also die Weinauswahl zwangsläufig ihm
überlassen) ; er hat sie mir aber vorher auf der Weinkarte gezeigt und bei
einem 44 Eurowein habe ich interveniert, er hat dann einen ähnlichen für 25
Euro (die Flasche; nicht das Glas !) vorgeschlagen.
Alles in allem wie gesagt 350 Euro für vier Personen, aber ein Abend, an den
wir noch lange gerne zurückdenken.
Das deutsche "Kaffee und Kuchen" ist in dieser
Form in Frankreich unbekannt (deswegen kriegen es die Kellner auch selbst auf
Nachfrage nicht auf die Reihe, beides gleichzeitig zu servieren. Den Kaffee
trinkt man hinterher). Wird Kuchen als Nachspeise gereicht, sind es oftmals
Tartes mit Früchten, wie "tarte au pomme", tarte au citron" etc
oder Schokoladenkuchen. Vor allem zu den Schokoladenkuchen wird dann eher ein süßer
Dessertwein (siehe auch oben bei foie gras) oder Champagner getrunken.
Sahnetorten wie in Deutschland sind eher selten; wenn dann schon die kleinen,
runden Kreationen beim Patissier, die auch schon mal ein Mousse oder eine Crème
enthalten. Die sind aber in der Regel sehr aufwendig gestaltet und
dementsprechend teurer.
Schokoladen gibt es zwar in allen Formen und
Variationen, aber die Bitterschokoladen mit 70% oder mehr Kakaoanteil haben hier
einen sehr viel größeren Stellenanteil als in Deutschland, wo sie ja eher eine
Randerscheinung sind.
Den Beruf des
Chocolatier gibt es in Deutschland wahrscheinlich gar nicht, weil er finanziell
gar nicht überleben könnte, in Frankreich ist er hoch angesehen.
Selbst zwanglose Diners im Freundeskreis ziehen sich
über
Stunden hinweg und fangen auch sehr viel später an. Um 18.00 Uhr zu Abend zu
essen - undenkbar und vor allem in Lokalen unmöglich : da ist noch nicht einmal
das Personal eingetroffen !
Nach dem Aperitif mit "amuse-gueules" so gegen
20.00 Uhr kommt vielleicht mal um 21.00 der erste Gang. Oft zieht sich das Essen
über den gesamten Abend hin. Essen ist schließlich kein
Wettrennen.
Le trou normand, das
normannische Loch : hierfür gibt es zwei Definitionen über die man sich
streitet. Die Einen sagen, es sei ein starker Schnaps wie z.B. ein Calvados oder
Cognac, den man in einer Pause bei einem deftigen Mahl als Verdauungshilfe
trinkt und der Platz im Magen schafft - eben ein Loch, damit man wieder
Weiteressen kann.
Andere sagen, es sei das "sorbet arrosé" ein meist herbes
Fruchtsorbet wie Zitrone oder Bitterorange mit entsprechendem Schnaps oder Wodka
übergossen, das bei mehrgängigen Menüs so ungefähr als dritter Gang (direkt
vor dem Hauptgang) serviert wird, um dem Magen etwas Abwechslung zu bieten und
Lust auf den Rest des Menüs zu machen.
Am Besten machen Sie beides, das Sorbet mit Schnaps und der
"Platzmacher-Schnaps". So können Sie nichts falsch machen und es hebt
zusätzlich die Stimmung am Tisch ;o)
Trotz des großen Erfolges von McDonald
und Co, kommen auf einen verkauften Burger trotzdem noch 8 verkaufte Sandwichs.
Es gibt neben zahllosen kleinen Snacks auch eine Reihe von Ketten im Franchisesystem
(z.B. La Brioche dorée), welche die halben Baguettes mit den
verschiedensten Belägen anbieten; das Clubsandwich mit Mayo, Salat und Schinken
drin oder auch mit Hühnchenfleisch, das klassische jambon / fromage
(Schinken, Käse) etc. Teilweise auch als Menüvorschlag :
Sandwich nach Wahl, ein Getränk nach Wahl und ein Dessert des Tages für den
gleichen Preis (oder billiger) als ein Mc Menü. Die Alternative zur Burgermonotonie
(siehe dazu auch Mac
Do & Co)
Gerade wenn man auf Reisen ist,
sind die meist sehr einfachen Fernfahrerkneipen am Straßenrand
interessant. Meist erkennbar an dem blauroten Schild mit einem großen R (für
"routier") und natürlich vielen LKWs vor der Türe. Da gibt es
meistens für 9-10 Euro ein äußerst reichliches Tagesmenü mit drei Gängen
und Tischwein (Rotwein zählt scheinbar nicht als Alkohol sondern als
Muntermacher für Fernfahrer). Speisekarte gibt's keine, man fragt einfach, was
es heute denn gibt. Wenn Sie nach einer Karte fragen,
kann es Ihnen passieren, dass Sie das gleiche Menü zu Touristenkonditionen
(kleiner aber dafür teurer) bekommen ;o)
Das Menü ist übrigens jedem zugänglich, sie müssen sich also nicht als Trucker
verkleiden.
Stil der Küche : Gute Hausmannskost . Qualitätsmerkmal : Um so mehr LKWs vor der Tür, desto besser das Essen.
Obwohl der
Michelinführer bereits im Jahr 1900 zum ersten Mal erschien, ist die Ausgabe
2009 dennoch die 100. Jubiläumsausgabe (während des Krieges erschien der
Michelin einige Jahre lang nicht).
1900 gab es erst rund 3000 Autos auf Frankreichs Strassen und so war der Führer
zunächst ein Verzeichnis mit den Adressen von Mechanikern und Hotels. 1926 kam
dann der Stern für die Restaurants dazu.
Für den Feinschmecker bedeuten die Sterne einfach ausgedrückt :
1
Michelinstern : hier lohnt es sich anzuhalten
2 Michelinsterne: für dieses Restaurant lohnt es sich, einen Umweg zu machen
3 Michelinsterne: zu diesem Restaurant lohnt es sich, eigens eine Reise zu
machen
Die Ausgabe 2009 enthält 548 Restaurants : 449 Einsterne-, 73 Zweisterne- und 26 Dreisternerestaurants. Neun Restaurants sind von einem auf zwei Sterne aufgerückt und 63 haben 2009 ihren ersten Stern bekommen.
2005 erschien der Michelin erstmals auch in USA, 2007 in Japan und 2008 sogar in China. (Nicht als Übersetzung der französischen Ausgabe, sondern als Führer der jeweiligen Landesrestaurants)
Es gibt immer wieder Gastronomen, die sich wünschen, NICHT mit einem Stern ausgezeichnet zu werden. Es sei zwar eine Auszeichnung einen zu bekommen, aber der alljährliche Stress, ob man ihn wieder bekommt, ist ihnen einfach zu viel Druck.
Rekordhalter
ist Joël ROBUCHON (unter anderem im 'Métropole' in MONACO) mit insgesamt 25
Sternen in all seinen Restaurants.
Alain DUCASSE (unter anderem das Louis XV im 'Hotel de Paris' in MONACO) hält
19 Sterne. Er hatte es zu Beginn seiner Karriere geschafft, als erster einen
Stern für ein Hotelrestaurant zu bekommen - bis dahin war dies nur klassischen
Restaurants gelungen.
ist die in Frankreich sehr
geläufige Abkürzung für "Meilleurs Ouvriers de France", zu
deutsch: 'beste Arbeiter (im Sinne von Handwerker) Frankreichs. Diesen
Wettbewerb gibt es in zig verschiedenen Handwerksbereichen und er wurde bereits
1929 gegründet.
Die Regeln und die handwerklichen Ansprüche des Wettbewerbs sind sehr hoch und
man kann auch nur einmal in seinem Leben daran teilnehmen.
In der Disziplin "Küche" beispielsweise werden dem teilnehmenden Koch die jeweiligen Gerichte vorgeschrieben - aber ohne Rezept, d.h. er macht daraus das Gericht nach seiner Interpretation. Ferner die Zutatenliste (sehr präzise, zB. Thymian : 1 Zweig) - jeder Koch bringt seine Ware natürlich selbst mit. Vor Ort werden dann lediglich Küche, Kochgeschirr, benötigte Zusatzzutaten wie z.B. Öl zum Braten etc gestellt.
Jurimitglieder sind kulinarische Schwergewichte wie Bocuse oder Robuchon
Köche, welche das Diplom MOF
erhalten, dürfen natürlich auch dessen Insignien tragen, die französischen
Nationalfarben am Kragen der Kochjacke, wie hier z.B. Erich FRECHON
,
ausgezeichnet als MOF 1993, heute selbst Mitglied der Vereinigung der
Meilleurs Ouvriers de France, 3 Michelinsterne, Küchenchef des Jahres 2009,
Träger des Verdienstordens...
Der Wettbewerb lässt auch gestandene Sterneköche schwitzen und wenn es vorbei ist und sie das begehrte Diplom haben, sagen die meisten, das sei noch stressiger als vorher, denn man muss sein Können, seine Innovation jeden Tag aufs Neue beweisen.
Belohnt wird dieser Nervenkrieg aber dadurch, dass ein Koch mit dem begehrten MOF - Diplom den Umsatz seines Restaurants schlagartig verdoppelt oder verdreifacht.
Hier nun noch ein paar Bilder anderer Handwerksbereich - ohne Ausleuchtung und Stativ zwar schwer zu fotografieren, aber man kann schon ansatzweise die Kunst erkennen.
Die Bilder habe ich im MOF
Museum
in Bourges geschossen, kleines Museum
aber beeindruckende Meisterwerke :

Modell eines Dachdeckers für verschiedene Materialien
Ein 4,20 m hohes Modell eines
Fachwerkhauses, Eiche und nur gedübelt - 1.000 Arbeitsstunden

ist die provenzalische
Version des Sandwich. Früher eine Zwischenmahlzeit armer Leute
für den späten Vormittag mit Brot vom Vortag, das mit Olivenöl beträufelt wurde,
damit es wieder weich und beissbar wurde.
Wie das
bei traditionellen Gerichten nun mal ist, wurde immer mehr unter dem Namen
Pan Bagnat verkauft, was nichts mehr mit dem ursprünglichen Produkt zu tun
hatte. Einige Verfechter der Nizzaer Spezialitätenküche hatten deshalb in den
80-er Jahren in einem erbosten Brief den Nizzas Bürgermeister J.Peyrat
aufgefordert, etwas dagegen zu unternehmen. Da sie keine Antwort erhielten,
sahen sie sich gezwungen selbst zu dratischen Mitteln zu greifen.
Zu dieser Zeit machten in den Nachrichten die Untergrundorganisationen auf
Korsika viel von sich reden, indem sie ihre Meinung mit Plastiksprengstoff
kundtaten (was sie ja heute immer noch gelegentlich tun), und so beschlossen
unsere Pan Bagnat - Verfechter ebenfalls zu 'Terroristen' zu werden und
gründeten die FLPB, die "Front de Libération du Pan-Bagnat", die "Pan Bagnat-
Befreiungsfront" : Als Clowns verkleidet "kidnappten" sie auf der
Promenade des Anglais die kleine Bimmelbahn, die die Touristen an den
Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeikutschierte, und "zwangen" die Touristen
richtige und originale Pan Bagnats zu verköstigen.
Über die originale Zubereitung streiten sich natürlich die Anhänger der
verschiedenen kulinarischen Lager, für einige ist die Beimengung von Salat eine
Erfindung unseriöser Geschäftsleute, andere tolerieren eine kleine Menge von
"Mesclun", der provenzalischen Salatmischung. Thunfisch oder Sardellen im Pan
Bagnat betrachten einige bereits als eine Form von Verrat, dies sei nur wegen
der englischen Touristen eingeführt worden. Offizielle Publikationen zum Thema
Pan Bagnat erlauben 40 Gramm Thunfisch oder 2 Sardellenfilets - aber
niemals beides zusammen ! Geduldet werden ebenfalls Artischockenherzen oder
Radieschen.
Das Vokubular der
professionellen Küche kommt bekanntlich meist aus dem Französischen. "Montieren" (das Abbinden
einer Sauce mit Butter) kommt von "monter", "Sautieren" von "sauter" (=schmoren)
etc.
Produktnamen wie "Crème double" sind in den deutschen (Küchen-)Sprachgebrauch
unverändert eingegangen, genauso wie Gerätebezeichnungen : das
Warmhaltewasserbad "Bain-marie" wird allerdings in deutschen Küchen "bämmerie"
ausgesprochen, was jedem Französischliebhaber die Nackenhaare aufstellt.
Eier poschieren kommt schätzungsweise vom französischen "poche", zu dt.
die Tasche, weil das Eigelb nach dem poschieren wie von einer Tasche seines
eigenen Eiweißes umhüllt ist. Genauso verhält es sich mit anderen Begriffen wie
"farciert", "garniert", "gratiniert' ...
Manche Begriffe sind
allerdings etwas irreführend : das "Mailänder Schnitzel" ist im Deutschen ein
Schnitzel in einer Käse / Eihülle, im Französischen ist das escaloppe
milanaise schlichtweg ein Wiener Schnitzel.
Das original französische "Nougat" (ursprünglich aus Montélimar kommend) hat mit
dem deutschen Nougat nichts gemein. Das original französische Nougat
entspricht in Deutschland
dem, was unter dem Namen "türkischer Honig" bekannt
ist. Das was der Deutsche als Nougat
bezeichnet, entspricht
eher dem italienischen "Gianduja" - eine Schokoladen-Hasselnusscrème, ein
bisserl in Richtung Nutella.
"Chef d'entreprise" ist der selbständige Unternehmer = Unternehmenschef . Ist ja auch nahe liegend. Chef ist also in Frankreich ein durchaus gebräuchliches Wort.
In der
Gastronomie und Hotellerie allerdings, ist mit Chef
IMMER der
Küchenchef gemeint und er wird auch so angeredet, z.B. "Bonjour chef"
Selbst in der Küche von Bocuse sagt niemand "Ja, wird gemacht, Herr Bocuse",
wenn der eine Order erteilt, sondern schlichtweg "Oui chef!".
Der Besitzer eines Restaurants - wenn er nicht selbst zufällig auch der
Küchenchef ist - wäre dann also der Patron bzw. die Patronne, wenn
es sich um eine Frau handelt.
In großen Hotels ist die oberste Befehlsinstanz der Direktor (bei Titeln wird
in Frankreich übrigens immer der entsprechende bestimmte Artikel mitgesprochen :
Monsieur le dirécteur, Monsieur le Président etc .
Kurios : ein weiblicher Bürgermeister wird angesprochen mit Frau und dann
gefolgt vom männlichen Titel : Madame le Maire !)
Aber auch wenn das Hotel noch so groß und so nobel ist, in der Küche herrscht der Chef und Monsieur le dirécteur wird es nicht wagen dem Chef dreinzureden oder gar Befehle zu erteilen - zumal in den Küchen neben Streß und Hitze meist ein recht rüder Umgangston herrscht und das würde die zarte Seele des schöngeistigen Direktors wahrscheinlich ohnehin nur nachhaltig schädigen, also bleibt er diesen Gewölben lieber fern.
Immer
häufiger sieht man in letzter Zeit Wein in diesen 3 oder 5 Liter
Kartons. Freilich wird man niemals einen Petrus oder einen Château
Neuf du Pape in
solchen Behältnissen sehen, aber die heute im Bag in Box angebotenen Weine sind
alles andere als Fuselweine, wie sie z.B. in Plastikflaschen zu finden sind.
Das Bag in Box - auf deutsch : Tasche im Karton - verdeutlicht ja bereits das
Funktionsprinzip : der Wein befindet sich luftdicht in einem Plastikschlauch
oder einem Beutel mit Alubeschichtung. Zum Entnehmen des Weins gibt es einen
Auslasshahn, mit dem man den Wein direkt ins Glas oder in eine Karaffe abfüllt.
Beim Ablassen des Weines zieht sich der Beutel zusammen, es kommt also keine
Luft in den Beutel und somit kann der Wein nicht oxydieren und hat natürlich
auch keinen Lichtkontakt. Somit hält sich der Wein bis zu 2 Monate nach dem
ersten Glas, ohne dass sein Geschmack beeinträchtigt wird.
Dank dem Karton mit Henkel lässen sich die drei Liter auch wesentlich handlicher
transportieren als die gleiche
Menge in Flaschen (=4 Flaschen).
Ein weiterer Vorteil : da es keinen Korken gibt, kann der Wein auch keinen
Korkgeschmack abbekommen. In Zeiten, in denen der Weinkonsum ständig steigt und
die Korkproduktion nachlässt, ein nicht unwesentlicher Faktor.
Pfefferminztee wie er in Deutschland
verkauft wird, sucht man
im französischen Supermarkt vergebens. Dort wird er nur in Verbindung mit grünem Tee
angeboten. Oder aber man macht ihn gleich selbst (wie die Araber) : mit frischen
Pfefferminzblätter.
Das geht so :
Die Teekanne - die
übrigens zu nichts anderem benutzt wird und niemals mit Spülmittel gereinigt
wird, sondern lediglich mit warmen Wasser ausgespült wird - sollte vorgewärmt
sein. Man gibt drei Teelöffel voll grünem Tee (z.B. Gunpowder) hinein,
gießt dies mit
einem Glas heißen Wassers auf, das man gleich wieder wegschüttet (die
Teeblätter lässt man natürlich in der Kanne) - somit hat man die Bitterstoffe
aus dem Tee herausgeschwemmt.
Jetzt gibt man ein handvoll ganzer Pfefferminzblätter (vorher kurz abgebraust
und ausgeschüttelt) auf die Teeblätter und einige Stücke Würfelzucker - je nach
gewünschter Süße. Damit die Pfefferminzblätter nach dem Aufgießen nicht an die
Oberfläche kommen und oxydieren, können Sie sie beispielsweise mit einem Esslöffel beschweren.
Jetzt gießt man das Ganze mit ca. 1 1/2 Litern leise siedendem Wassers auf und
lässt es rund 5 Minuten ziehen.
Den Tee immer sehr heiß trinken, aber nicht wieder aufwärmen, sondern lieber in
eine isolierte Kanne geben.
Das Wasser für den Tee sollte weder zu kalkhaltig sein, noch zu sehr gechlort. Im Zweifelsfall einfach ein neutrales stilles Mineralwasser nehmen.
Weit verbreitet ist auch die
so genannte "Infusion", der Kräutertee. Am häufigsten trifft man auf
"verveine" (Eisenkraut) und "tilleul" (Lindenblüten)
Echte Whisky-Kenner
trinken ihren Single Malt in der Regel nicht pur, sondern mit Wasser verdünnt
weil der hohe Alkoholgehalt des puren Whiskys die Geschmacksknospen auf der Zunge
und im Mundraum quasi lähmen würde und somit der Genuß
teilweise verloren ginge.
Natürlich kommt dafür nicht jedes Wasser in Frage : es muß einen geringen
Mineralgehalt aufweisen. Stille Wässer (auf keinen Fall Sprudelwasser in den
Whisky kippen !!!!) aus Deutschland, wie Überkinger, Gerolsteiner, Apollinaris
oder wie sie alle heißen mögen , sind extrem mineralisiert (was ja nicht
schlecht ist, aber halt nix für Whisky). Französische stille Wasser wie Evian,
Volvic oder Vittel sind hier die idealen Weggefährten, wenn Sie nicht zufällig
an original Wasser wie das schottische "Highland Spring" rankommen.
Wenn Sie gerne pures
Mineralwasser mit Kohlensäure trinken, dann probieren Sie auf alle Fälle mal das
"Badoit" (das normale; bei PET-Flaschen die grüne Flasche, nicht die rote). Das
Badoit ist nicht so stark kohlensäurehaltig (3,7 g/Liter) wie das Perrier
(8,6 g/Liter). Perrier eignet
sich meiner Meinung nach demzufolge
eher für Mixgetränke oder Schorlen - ist aber natürlich alles
Geschmackssache.
Badoit ist unter den kohlesäurehalltigen Mineralwässern das am stärksten magnesiumhaltige Wasser und unterstützt somit u.a. die Verdauung, also ein ideales Getränk beim Essen.
Das italienische San Pellegrino ist (meines Wissens) beispielsweise gepanscht : da werden nachträglich noch Kohlensäure und wer weiß, was noch alles zugesetzt - so was muß nicht sein, wenn es Originale gibt.
Noch ein Tipp fürs
Restaurant :
wenn Sie eine "carafe d'eau" bestellen, bedeutet das eine Karaffe
Leitungswasser. Und zu einer Flasche Wein dazu, ist das durchaus üblich. Da
sie in der Regel aber kostenlos ist, vergessen es die Kellner auch schon gerne
mal, scheuen Sie sich in diesem Fall aber nicht, ihn nochmal daran zu erinnern -
manchmal ist es auch gar keine böse Absicht, weil die Karaffe ja nicht boniert
wird und die meisten Kellner einfach nach den Bons arbeiten.
Wollen Sie zwar stilles Wasser, aber lieber (kostenpflichtiges) Mineralwasser statt Leitungswasser wollen, so nennt sich das " l'eau platte " also plattes Wasser (Wasser aus dem Hahn - l'eau du robinet - kann man in Frankreich aber problemlos trinken)
Mineralwasser mit Blubberbläschen heisst dann " l'eau gazeuse "

Wenn Sie mal gegen Ende
der Saison oder in der Nachsaison nach Frankreich gereist sind, haben Sie
vielleicht auf den Märkten schon den so genannten "Weinberg-Pfirsich" mit seinem
eigenartigen, grünlichen Flaum entdeckt, obwohl die Pfirsichsaison eigentlich
schon lange vorbei ist. Das liegt einfach daran, dass diese Sorte sehr spät
reift.
Ihren Namen hat sie von der weinroten Farbe ihres Fruchtfleisches und außerdem
wird sie von Weinbauern gerne zwischen den Weinreben gepflanzt, da man mit ihr
den 'Gesundheitszustand' der Weinreben überwachen kann.
Wenn Sie sie sehen, unbedingt kosten, sie hat einen fantastischen Geschmack !
Da kann ich relativ wenig erzählen, weil mich Sport eigentlich nicht interessiert - was meine Frau natürlich Klasse findet. Ich schau höchstens mal am Anfang der Saison ein bißchen Formel 1, vor allem den Grand Prix in Monaco und bei Fußballweltmeisterschaften Halbfinale oder Finale wenn Deutschland oder Frankreich beteiligt sind : Bei der WM 2006 hab ich mir das natürlich gespart : nach allem, was die Italiener sich damals im Sport leisteten - abgesprochene Spiele in ihrer nationalen Fussballliga oder die megapeinliche Schummelnummer von Ferrari beim F1 GP in Monaco - war klar, dass das Finale nicht seriös über die Bühne gehen würde. Und wäre Zidane beim Elferschiessen noch dabei gewesen, hätten die Italiener ohnehin den Kürzeren gezogen (dass Zidane im Nachhinein nochmal mit Spielsperre bestraft wurde, weil er aufgrund einer - in seinen Augen schwerwiegende - Beleidigung seiner Mutter und seiner Schwester rot sah, ist auch ein Armutszeugnis für den Verband : Zidane wird bestraft, weil er für seine Ehre eintritt - Italien gewinnt, weil Sie keine Ehre im Leib haben - c'est la vie, aber wenn sich die Italiener über so einen Sieg freuen können, sollen sie doch. Ist nur schade, denn ein Finale Deutschland / Frankreich wäre mit Sicherheit schöner und interessanter gewesen.
NACHTRAG aufgrund einiger Zuschriften : natürlich kann man sich über Zidanes Reaktion streiten, bzw, dass er überhaupt reagiert hat. Er weiss schliesslich, dass seine Mutter nicht das ist, als was sie der Italiener bezeichnet hat, aber für ihn und das Marseiller Milieu in dem er aufwuchs, lässt man halt eine Beschmutzung der Familienehre nicht ungestraft. Man kann von Ehrencodici halten, was man will, es ist aber auf alle Fälle weniger verwerflich, als das armselige Verhalten von Materazzi.
Egal, zurück
zum Thema :
Im Fußball gibt es zwei Abkürzungen, die sogar Nichtsportguckern geläufig
sind : OM für
Olympique de Marseille und PSG für
Paris
Saint-Germain . Und wenn diese beiden Mannschaften (bzw. ihre Fans) auch
noch aufeinander treffen, dann ist was geboten.
Zinedine Zidane, ein echter Künstler am runden Leder, der einem Beckham um Klassen überlegen ist und der mühelos brasilianische Virtuosität an den Tag legt, hat ja mittlerweile leider seine Karriere nach Abschluß der WM 2006 beendet.
Übrigens : als Frankreich das letzte Mal Weltmeister wurde (1998 mit Zidane, Henry, Thuram, Djorkaeff, Wiltord, Anelka etc), war das übrigens eine furchtbare Niederlage für die rechten Nationalisten um Le Pen, weil über die Hälfte der Nationalmannschaft keine weißen Franzosen waren, sondern Spieler mit Wurzeln in den ehemaligen Kolonien, sprich farbige Franzosen : zu was Fußball nicht alles nützlich sein kann !!!
Der AS Monaco darf in der französischen Liga mitspielen - klar, sonst hätten die Monegassen ja niemanden zum Spielen. Der Club war teilweise auch sehr erfolgreich. Deren Vorteil sind die speziellen steuerlichen Gegebenheiten in Monaco : ein französischer Club müsste fast dreimal soviel Geld für ein Spielergehalt aufbringen, damit dieser Netto das gleiche verdient wie beim AS Monaco.
Sehr
verbreitet ist in Frankreich auch Rugby und bei den Profis feiert
Frankreich auch internationale Erfolge. Genauso wie im Fußball, heißt die
Nationalmannschaft kurz "Les Bleus" (die Blauen).
Im Oktober 2007 haben "Les Bleus" die "All Blacks", die
als fast unbesiegbar geltende Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands im
Viertelfinale aus der Weltmeisterschaft herausgekickt - ein Riesenerfolg für
Frankreich.
Bei den
Rugby-Amateuren ist besonders die so genannte "dritte Halbzeit" sehr beliebt :
die Siegerfeier in der Kneipe danach ! Die ist allerdings
eher herber Natur.
Rugbyspieler genießen in Frankreich ein relativ hohes Ansehen und bekleiden nach
ihrer Karriere oftmals repräsentative Jobs bei den Sponsorfirmen oder in der
Kommunalpolitik (denn so reich, daß man sich danach zur Ruhe setzen kann, wird
man im Rugby nicht - von einigen Superstars einmal abgesehen)
Dann gibt's natürlich noch die Tour de France und die Tour de France der Segler, einen Judo-Weltmeister, einen Kickbox-Weltmeister (im Zivilleben Zahnarzt) und vor allem Sebastian Loeb, den genialen und sympathischen Rallye-Weltmeister und sein monegassischer Kopilot Daniel Elena (sechsmal in Folge Rallye Weltmeister - Chapeau) sowie den 2005 und 2006 dominierenden F1-Rennstall von Renault und sicherlich noch vieles mehr, von dem einer wie ich, der den Sportteil der Zeitung ungelesen in den Müll wirft, gar keine Ahnung hat.
Wie in den
meisten Demokratien, bei denen es den Bürgern eigentlich gar nicht so schlecht
geht, herrscht auch in Frankreich oft ein eher mäßiges Interesse an Wahlen vor.
Um die Wahlbeteiligung anzukurbeln, versucht man mittels finanzieller Anreize
die Leute zur Urne zu locken. Bei einer Wahl im Winter gab es folgendes
Angebot :
Jeder Wähler
hat in Frankreich ja seine Wählerkarte, auf die er einen Stempel erhält, wenn er
gewählt hat. Wer also diese abgestempelte Wählerkarte in einem der Skigebiete im
Hinterland Nizzas am Wahltag vorweisen konnte, erhielt 50 % Nachlaß auf seinen
Skipaß (Tagespässe kosten meist so rund 26€ ); ein lohnendes Geschäft, zumal
wählen ja nur ein paar Minuten Zeit in Anspruch nimmt, was man also auf dem Weg
ins Skigebiet mal schnell nebenbei erledigen kann.
In anderen Bereichen gab es in manchen Ladengeschäften am Wahltag zwischen 10
und 20 % Nachlaß auf alle Artikel.
Keine schlechte Idee.
Seit dem 11.
September 2001 wurden auch in Frankreich wieder verstärkt vorbeugende Antiterrormaßnahmen
ergriffen. Diese Aktionen laufen unter dem Begriff plan Vigipirate, den
es bereits seit 1978 unter Giscard D'Estaing gibt.
So werden zum Beispiel
Parkplätze direkt vor Schuleingängen gesperrt, damit dort niemand ein Auto
abstellen kann (Autobomben) , Kontrollen in Flughäfen werden verschärft durchgeführt,
ebenso Kontrollen von KFZ vor allem im grenznahen Bereich.
Reservekanister sind in Autos schon alleine wegen der Hitze verboten.
Aber auch der Verkauf von Benzin in Reservekanistern ist den Tankstellen wegen
des plan Vigipirate untersagt
Nachdem der
Plan Vigipirate Anfang 2004 auf Null gesetzt wurde, also vorübergehend
außer Kraft gesetzt wurde, musste er nach den Attentaten in Madrid leider wieder
aktiviert werden ; nicht auch zuletzt, weil sich
einige unverbesserliche islamische Religionsfanatiker darüber erbosten, daß
Frankreich das Tragen religiöser Symbole in Schulen und Unis verboten hat.
Darunter fallen neben dem christlichen Kreuz nun mal auch die Schleier
moslemischer Frauen.
Scheinbar finden es Moslems ganz normal, daß sich Leute,
die in ihr Land kommen, ihren Gesetzen zu unterwerfen haben (beim Formel1 Grand
Prix in Bahrain wird beispielsweise sogar auf die traditionelle Champagnerdusche
auf dem Siegerpodium verzichtet - obwohl nicht einmal ein einziger Pilot Moslem
ist),
sie selbst im Ausland aber auf das Ausleben ihrer Kultur bestehen, sprich sich
den dort herrschenden Gebräuchen nicht unterwerfen wollen. Ja geht's noch ?!!
Wir haben selbst Bekannte maghrebinischer
Herkunft, das hat also nichts mit
nationalistischen Ressentiments zu tun.
Wir sind aber gegen religiöse Fanatiker, die anderen ständig ungefragt ihre
Meinung darlegen / aufdrängen wollen. Das Christentum hat diese Phase im Mittelalter
durchgemacht ; heute sollte die
Menschheit eigentlich ein bißchen weiter sein.
wird in Frankreich immer schwieriger. Erstens werden die Eltern sofort per SMS auf deren Handy informiert, daß Filius oder Fräulein Tochter nicht zum Unterricht erschienen ist (15 Minuten nach Unterrichtsbeginn) und zweitens riskieren die Eltern bis zu 750 Euro Strafe, falls der mißratene Nachwuchs öfters mal blau macht. Das "überzeugt" selbst Rabeneltern, denen das Schicksal ihrer Kinder ansonsten wurscht ist ; denn dann geht es ja an den eigenen Geldbeutel und das wirkt immer.
Lehrer haben
auch die Möglichkeit, Schulschwänzern bzw. deren Familien die monatlichen,
finanziellen Familienbeihilfen zu streichen : keine Schule, keine Kohle !!
Das bringt zwar die notorischen Schwänzer wieder zurück in die Schule aber die
sind so hirnverbrannt dämlich, dass sie sich lediglich in die Klasse reinsetzen
und dem Lehrer klipp und klar erklären, sie seien nur da, damit die
Familienbeihilfe wieder fliesst - lernen oder aufpassen wäre nicht drin. Das
sind dann wahrscheinlich die gleichen Trottel, welche aus Frust über ihre (selbstverschuldete)
Chancenlosigkeit randalieren und die Autos ihrer unschuldigen Nachbarn anzünden
(siehe Unruhen in Paris Ende 2006). Der heutige Präsident Sarkozy hatte in
seiner damaligen Funktion als Innenminister grosse
Schwierigkeiten, weil er diese Typen als Abfall bezeichnete - eh alors ?!
(na und, hat er doch nicht ganz Unrecht, oder?)
gibt es in Frankreich übrigens so gut wie nicht. In Deutschland dreht man ja automatisch eine Ehrenrunde, wenn die Ergebnisse nicht den Regeln entsprechen. In Frankreich wird das erst mal mit den Eltern diskutiert und außerdem erst am Ende einer Ausbildungsstufe in Erwägung gezogen. Bei einem schulischen Rückstand hat man so also unter Umständen ein, zwei oder drei Jahre Zeit, die Versäumnisse auszubügeln.
Immer mehr
Lehrer nutzen auch das Internet : Prüfungsergebnisse werden noch am gleichen Tag
ins Internet gesetzt und so kann es passieren, dass die Eltern das Ergebnis
schon kennen, bevor der Schüler nachmittags überhaupt nachhause kommt.
Die Kommunikation Lehrer - Eltern per email ist ebenfalls leichter und
zeitsparender, als die Eltern versuchen, abends nach der Arbeit telefonisch zu
erreichen.
Seit diesem Schuljahr (2006 - 2007) gibt es in den französischen "collèges" (ab dem 11.Lebensjahr) wieder eine 'Note für das Betragen' im Schulalltag, welche alle drei Monate erstellt wird und in die Jahresendnote mit einfliesst. Das mag im ersten Moment wie eine Rückkehr zum Schulsystem unserer Väter anmuten, ist aber im Endeffekt gar keine so schlechte Sache : gegenseitigen Respekt und sozialverträgliches Verhalten sind ja im Grunde primär von der häuslichen Erziehung und der persönlichen Intelligenz abhängig und wenn es da schon mangelt, muss man eben notfalls staatliche Kontrollen und Steuerfunktionen einführen. Bleibt zu hoffen, dass dies auch konsequent durchgezogen wird, denn die Lehrer haben immer häufiger Schwierigkeiten, ihre Autorität durchzusetzen (wie sagte bereits ein deutscher Comedien : "Schüler und Lehrer sind leicht zu unterscheiden : die mit den Schussverletzungen sind die Lehrer !") und die Leidtragenden sind dann die, welche eigentlich in der Schule sind, um was zu lernen.
Wer dann die Schule
schließlich bis zum Schluss besucht hat, will anschließend unter Umständen
studieren. Computer und Internet sind hierfür heutzutage nahezu unumgänglich,
aber obwohl die Kisten immer kleiner und billiger werden,
sind sie jedoch meist immer noch zu groß für die kleinen Geldbeutel der
angehenden Studenten. Deshalb hat der französische Staat die Aktion "Computer
für 1€ / Tag" initiiert ; manchmal auch unter dem Slogan "1 Café / Tag"
bekannt (weil Café meist einen Euro kostet). Das funktioniert so, dass sich die
Hersteller verpflichten, Laptops für diese Aktion zu sehr
günstigen Preisen anzubieten (und ca. die Hälfte der angebotenen Maschinen sind
wirklich günstiger als auf dem freien Markt - das ist
schon mal ein ganz guter Schnitt für eine vom Staat geleitete Aktion) und die
Banken finanzieren das Teil zu günstigen Konditionen - ca. 3% Zins - so dass der Studi nur 30 € pro Monat an Rate zu berappen
hat und nach drei Jahren mit zahlen fertig ist.
Mit diesem System sollte es jedem Studierwilligen möglich sein, ein Laptop
anzuschaffen. Guter Plan, guter Deal.
Wer allerdings Banken kennt, vermutet hier bereits die ersten Probleme : richtig geraten ! Viele der Banken verlangen eine Bürgschaft der Eltern, vor allem bei Erst- und Zweitsemestern, da bei denen das Studienabruchrisiko besonders hoch ist, und da wird es dann meist schon wieder kompliziert.
Für die nachfolgende Aktion : "Führerschein für einen Euro pro Tag" hat man das System dann gleich dementsprechend abgeändert. Der Führerscheinaspirant bekommt die Kosten finanziert, tilgt 30 € pro Monat und der Staat übernimmt hier sogar die Zinsen. Klasse Angebot.
Wenn völlig überraschend
30.000 Raver in der Provinz einfallen, um ein ganzes Wochenende durchzufeiern,
hinterläßt das neben riesigen Abfallbergen auch sonst ein Feld der Verwüstung.
Kein Wunder also, daß die Anwohner davon nicht begeistert sind - ganz zu
schweigen davon, daß es während des Technowochenendes mit der ländlichen Ruhe
Essig ist.
Manche Landräte haben zur Abwehr der Technofestivals ganz einfach ein
Alkoholverbot in der Öffentlichkeit erlassen, andere das wilde Campen untersagt
und somit kurzerhand Raverparties als illegale und deshalb unmögliche
Veranstaltungen klassiert.
Ganz schlaue Bauern haben kurz vor dem zur Diskussion stehenden Wochenende alle Felder der Umgebung frisch geodelt - mit Schweinedung ! Wer schon jemals auch nur in die ungefähre Nähe einer Schweinefarm gekommen ist, der weiß, daß bei Schweinemist garantiert keine Partylaune mehr aufkommt - Bauernschläue eben !
Wenn Sie
französisches Radio hören, fällt Ihnen mit Sicherheit bald auf, dass cirka
jeder zweite Titel von einem französischsprachigem Interpreten ist. Das ist
insofern eine praktische Einrichtung, weil sie somit heimischen Sangeskünstlern
eine Bühne bietet, um die Früchte monatelanger Übungsabende in einem modrigen
Keller einem kaufkräftigen Publikum vorzuführen. In den Plattengeschäften (an
dieser Vokabel merkt der aufmerksame Leser, dass der Autor dieser Zeilen wohl noch mit den großen schwarzen Scheiben namens Langspielplatte
aufgewachsen sein muss
) in diesen Musikabteilungen also, nimmt die Abteilung französischer Interpreten dann auch oft ein Drittel der Gesamtfläche ein und fast alles ist irgendwie hörenswert.
Während man in Deutschland die hörenswerten Künstler wie MMW, Gröni, Prinzen,
die Helden und
Co ja fast an seinen beiden Händen abzählen kann (na ja, das mag vielleicht
übertrieben sein - ABER NICHT VIEL - und Gruppen wie Flippers oder Wildecker
Schmerzbeulen haben sicherlich auch ihre Daseinsberechtigung - ABER NICHT FÜR
MICH !!! )
Der Rest der deutschen Musikergilde hat da dann schon seine Probleme, sich Gehör
zu verschaffen, sprich im Radio gespielt zu werden und sich gegen das Top40 -
Gedudel durchzusetzen.
Und so fühlt sich der deutsche Musikfan immer wieder gemüßigt, darauf
hinzuweisen, dass die "Scorpions" ja eigentlich Deutsche sind - stimmt, aber die
haben die Flucht reingehauen.
Na ja,
genug echauffiert! Jetzt wieder zurück nach Frankreich : jung wie alt kennen die
Texte der meisten Hits auswendig und singen begeistert mit (wer bösartig ist,
könnte jetzt sagen, das liegt daran, dass der gemeine Franzose kein Englisch
kann und deshalb beim Mitsingen englischsprachiger Songs
von Beatles, AC/DC oder Tittney Schpiers eine eher
peinliche Figur abgäbe).
Auch Künstler wie Claude François erfreuen sich immer noch größter
Beliebtheit und keiner hat damit ein Problem, obwohl Cloclo doch gefährlich nahe
an der Abteilung Schlager (im negativen Sinne) liegt als bei den
Chansons
Für die, die Claude François nicht
kennen : bekannt wurde er nicht nur durch seine eingängigen Hits wie
Alexandrie, Alexandra, sondern auch durch seine Idee, die Show mit ein
paar "Tanzmäusen" aufzupeppen (sorry, Alice Schwarzer, für den sexistischen
Ausdruck). Choreographie bei Bühnenauftritten von Sängern war damals was ganz
Neues.
In Anlehnung an Ray Charles "Raynettes" nannte er seine Tänzerinnen "Claudettes"
und sie waren ständig um ihn herum, selbst in seinem Haus, einer ehemaligen
Mühle (nur zum arbeiten; es war ja nicht sein Harem - wollen wir jetzt mal
annehmen)
Wie man auf dem Foto erkennen kann, verstand cloclo also ganz gut zu
leben.
Zum Leidwesen
seiner Fans (und zu seinem eigenen, denk' ich mal) starb er 1978 mit nur 39
Jahren in seinem Badezimmer vor den Augen seiner Freundin am
Stromschlag von einer Glühbirne, an der er rumbastelte.
Seine Platten gingen weg wie warme Semmeln
: 34 Mio. Stück zu Lebzeiten und noch mal 24 Mio. zu Totzeiten; jedes Jahr werden
immer noch 600.000 Alben verkauft. Und 2004
wurdens wohl noch mal Rekordverkäufe : er wäre dann 65 Jahre alt
geworden und außerdem kam zu diesem "Geburtstag" eine Komödie in die Kinos, bei der es um
Doppelgänger von Claude François geht.
Auch Sie
kennen zumindest einen seiner Hits :
comme d'haBitude
! Sagt Ihnen nichts ? Dann kennen Sie es vielleicht in der Version von den Gipsy
Kings als A MI MANEHRA oder auf alle Fälle als Sinatras MY WAY! Na, erkannt ? Aber das Original ist eben von Claude François.
Übrigens das am öftesten interpretierte Lied der Welt ; es gibt weltweit ca.
1.000 Interpretationen von COMME D'HABITUDE !!

Der
bestverdienenste französische Popstar 2003 (und auch die
Jahre darauf) war "notre Johnny" = "unser
Johnny" Halliday.
Die französische Rockröhre freut sich über eine dauerhaft treue Fangemeinde und
kam so auf immerhin 5 Mio. € Jahreseinnahmen.
Wegen der hohen Steuerbelastung für Besserverdienende ist
er nun in die Schweiz übersiedelt - Recht hat er !! (Ein Nachrichtenjournal hat
kürzlich die Abkürzung ISF, eigentlich die Impôts sur la
fortune, der Vermögenssteuer, mit Incitation de sortir de la
France - Anreiz, Frankreich zu verlassen - interpretiert
)
Der mittlerweile über 60 - jährige legt sich immer noch mächtig ins Zeug und auch als Schauspieler kann er beachtliche Erfolge aufweisen.
Auch sein Sohn David (Mutter ist die Sängerin Sylvie Vartan) ist gut im Geschäft,
lebt aber die meiste Zeit in USA.

Zweiter in der französischen Gehalts-Bestenliste ist Florent PAGNY, der aber
lieber in Patagonien lebt und dort die weite Landschaft genießt - und die Weite
(Entfernung) zum französischen Finanzamt, mit dem er auf Kriegsfuss steht.

Einer anderer Blues und
Rockbarde ist schon seit Anfang der 60-er Jahre eine feste Größe im
französischen Musikgeschäft : Eddy Mitchell

Und auch er ist hin und wieder in Filmen zu sehen, hier auf dem Foto mit Michel Serrault.
Eddy hat übrigens kürzlich
bei sich zuhause ausgemistet und viele seiner Sammelstücke wie z.B. seine
Filmpostersammlung von Christies versteigern lassen. Unter den Objekten befand
sich auch seine heißgeliebte Cowboystiefelsammlung, denn als er im Fernsehen
mitbekommen hat, dass George "Monkey" Bush ebenfalls Fan von Cowboystiefeln ist,
war für ihn klar, dass er auf alle Fälle bis zur nächsten Präsidentenwahl 2008
keine Cowboystiefel mehr tragen wird !
Und da waren doch noch
Sardou, de Palmas, Goldmann .... hier alle erfolgreichen Musiker aufzuzählen wäre natürlich eine
endlose Liste. Stöbern Sie lieber selbst mal in der Abteilung "Französische
Interpreten" und beschäftigen Sie sich auch mal mit den Texten.
Anbei ein gelungener Text über Aschenputtel bzw. Cinderella : "Cendrillon"
von der Gruppe "Téléphone" um Jean-Louis Aubert (heute nur noch als Solist
unterwegs)
Eines meiner Lieblingsstücke ist von RENAUD im Duo mit Axelle RED : Manhattan - Kaboul
Chansons - dazu muss man aber die Texte verstehen - findet man bei Bénabar, der seit 2 - 3 Jahren nicht mehr aus der Radioszene wegzudenken ist. Beispielsweise "Le Dîner"
Wer es rockig mag, dem sei auch noch INDOCHINE oder die junge Newcomer- und Abräumer - Formation KYO ans Herz gelegt
Leute, welche
gnadenlos jede Telefonnummer anrufen, die über den Bildschirm flimmert, verdienen
wahrscheinlich nichts Besseres als einen Daniel Übelböck. "Dank" Endemol gibt es
diese
teilweise grenzdebilen
Sendungen auch in Frankreich : Popstars, La nouvelle star, Nice People, Star
Academie, Bachelor.
Endemol ist jetzt übrigens sogar Besitzer der Rechte an den "Miss France" -
Wettbewerben (und die waren nicht billig !)
Während
zum Beispiel die erste Formation der Sendung Popstar, " L5 " ganz passable
Liedchen trällerte, hat die zweite und vor allem die dritte Popstars - Staffel
nur noch B-Ware hervorgebracht (ähnlich wie in Deutschland).
Die beste Sängerin der französischen Popstarsendungen wurde seitens der Juroren - richtigerweise - als nicht Popstarstauglich empfunden, sprich als zu schade zum Verheizen. Ihre Stimme hat den AZ / Universal - Chef dermaßen beeindruckt, dass er ihr eine Solokarriere in seinem Haus in Aussicht stellte und Chimène Badi hat mittlerweile eine Single ("Entre Nous") und eine gleichnamige CD herausgebracht, die sich bereits 600.000 mal verkauft hat, Singleauskoppelungen verkauften sich 1 1/2 Millionen Mal, das zweite Album, "Dis moi que tu m'aimes" läuft ebenfalls bestens an - von solchen Zahlen träumen so manch andere Künstler ihr Leben lang.
Aus der
Sendung
"Star Academie" auf einem Konkurrenzsender, (aber trotzdem eine Endemol
Produktion) ging die heute sehr erfolgreiche
Nolwenn Leroy
hervor und man muss ihr zugestehen, das sie wirklich eine Stimme hat - sie hat
es nicht nötig, ihre sekundären Geschlechtsmerkmale aufreizend vor der Kamera zu
schwingen und auf der Bühne den Hampelmann zu geben, um auf sich aufmerksam zu
machen; ihre Platten verkaufen sich durch Qualität - die ansprechende Optik ist
bei ihr quasi eine kostenlose Zusatzausstattung.
Nolwenns Stimme hat ihr auch zu einem kuriosen Erfolg in den USA verholfen : ein international anerkannter amerikanischer Neurologe hat während eines Kongresses in Paris ihre CD gekauft und zuhause festgestellt, dass Nolwenns Stimme erstaunliche Erfolge bei Langzeit-Koma-Patienten bewirkt. Er hat sie daraufhin anlässlich eines Interviews in einer Fernsehsendung zu einer "Stimme mit therapeutischem Charakter" erklärt. Die CD rauschte bei amazon.com in nur einer Nacht von Platz 92.000 auf Platz 82 und verkaufte sich in dieser Nacht 10.000 Mal !
Eine ähnliche
Sendung, "Graines de Star", die es aber schon länger gibt als den holländischen
Käse, ist eine Bühne
für Nachwuchstalente - im Schnitt zwischen 12 und 17 Jahren alt. Sie ist aber
keine Sendung für pädophil veranlagtes Publikum, in der Kinder zu Hits von
Madonna o.ä. auf der Bühne quäken, sondern in Graines de Star singen die
Besten einer ernsthaften Vorauswahl (oder tanzen, imitieren etc ... es gibt
verschiedene Kategorien) und der Gewinner (der sich in der nächsten Sendung den
neuen Mitbewerbern stellen muss - so lange bis ein anderer gewinnt) beginnt
unter der Regie des Schirmherrn der aktuellen Sendung an seiner Karriere zu
arbeiten : in Deutschland wurde eine "Lolita" sehr beliebt :
Alizée, sie ist
eine der Gewinnerinnen von Graines de Star und ihre Schirmherrin war
Mylène Farmer.
Unser Trost :
irgendwann ist zum Glück auch
für ENDEMOL einmal ENDE - hoffen wir doch MOL ganz fest.
Was danach kommt ..... schau mer mal.


Auch
die Saison 2007 von "La nouvelle star" hielt wieder
Überraschungen bereit. Vor allem der unkonventionelle JULIEN sowie
TIGANE mit seiner jazzigen
Samtstimme versetzten das "Baltare", wie sich die Austragungshalle des "Nouvelle
Star" nennt, immer wieder in einen Ausnahmezustand.
Stell Dir
vor, Tom Waits singt Mireille Mathieu :
JULIEN bekam die Aufgabe Alizees (siehe oben)
"Lolita" zu interpretieren. Wenn der Begriff 'interpretieren' jemals
gerechtfertig war, dann in diesem Zusammenhang. Julien
verwandelte das Trällerliedchen in eine Ballade à la Jeff Buckley.
TIGANE singt eigentlich bereits ausser Konkurrenz, zudem versteht er es auch, Lieder komplett neu darzustellen, wie z.B. M.Jacksons Billie Jean als Softversion - schlichtweg genial !!!
Abschließend sollte zu "Nouvelle
Star" noch angemerkt werden, dass die Juri in der Regel aus recht interessanten
Persönlichkeiten des Musicbusiness besteht wie beispielsweise Manu Katché
welcher wohl derzeit einer der besten Schlagzeuger ist. Er trommelte schon für
und mit Größen wie Peter Gabriel, Pino Palladino oder Sting (auf einem der
besten Stingalben "... all this time") etc etc und hat mittlerweile eine sehr
sehenswerte Sendung auf Arte, welche ab dem 14. Januar 2010 wohl sogar
wöchentlich ausgestrahlt wird : One Shot Not oder wie sie wohl in Zukunft
heisst: Jamsession - unbedingt ansehen !


diese - zwar meist wohlwollende, aber trotzdem (die intellektuellen Fähigkeiten betreffend) eher geringschätzige - Bezeichnung gilt vorzugsweise grossbusigen Blondinen wie beispielsweise der durch eine "Loftstory" (franz. Version von Big Brother) bekannt gewordenen LOANA.
Ein "Comédien" ist im Französischen ganz allgemein ein
Schauspieler, im Gegensatz zum im Deutschland gebräuchlichen Anglizismus "Comedien",
das einen Komiker bezeichnet.
Frankreich hat ja bekanntermaßen eine große Film- / Kinotradition und Schauspielern wird neidlos Bewunderung gezollt. Und Frankreich hat eine beachtliche Anzahl Weltklasseschauspieler, wenngleich sie oftmals in amerikanischen Filmen lediglich wegen ihres "exotischen" Charakters gebucht werden. Jean RENO ist dafür ein Paradebeispiel, aber in dem Film "Ronin" (dessen rasante Autoverfolgungsjagd gegen Ende des Films übrigens in der Altstadt von Nizza gedreht wurde) beweist er, dass er selbst neben Ikonen wie Robert de Niro einem Film Charakter und Präsenz verleihen kann.
Im Bereich Komödie gibt es neben den hinlänglich bekannten Hauruck-Klassikern von Louis de Funès, Pierre Richard & Co (ohne diese Filme abwerten zu wollen) auch erstklassike Komödien mit etwas weniger Schenkelklopf-Potential und dafür etwas mehr Handlung, wie z.B. "Wasabi" mit Jean Reno und Michel Muller, "Tais-toi" (dt. Titel : "Ruby und Quentin - Der Killer und die Klette") mit Reno / Depardieu, "L'enquête corse" ( wahrscheinlich noch nicht in Deutschland zu sehen;~"Operation Korsika") auch mit J.Reno oder "Les Visiteur" mit J.Reno / Christian Clavier.
Häufiges Problem bei Übersetzungen von Komödien sind natürlich neben "landesspezifischen" Hintergründen, die ausländischen Zuschauern gar nicht oder nur schwer vermittelbar sind, vor allem Feinheiten in der Sprache.
Kleinere Übersetzungspannen wie in der Eingangssequenz der rasanten Actionkomödie "Taxi" von Luc Besson mit Samy Naceri und Frédéric Diefenthal (mittlerweile 3 Folgen) hinterlassen vielleicht gerade mal kurzzeitig ein Fragezeichen auf der Stirn des Zuschauers : eine Meute von Pizzalieferanten fährt auf Motorrollern an den Darstellern vorbei und gleich hintendran kommen zwei Polizisten auf Motorrädern. Ein Darsteller fragt : "Sind das auch Pizzen" ? Die Antwort : "Nee, das sind Hühnchen ! " Das gibt natürlich im Deutschen keinen Sinn. Im Französischen ist Hühnchen aber der Spitznahme für Bullen (weil das erste Kommissariat Frankreichs seinerzeit direkt neben einem Geflügelmarkt eingerichtet wurde).
Bei anderen Filmen gingen aber leider nicht nur vereinzelte Gags in der miserablen Übersetzung unter, sondern der ganze Film wurde regelrecht unansehbar ; bestes Beispiel : der oben bereits erwähnte Film "Les Visiteurs" (Die Besucher) : in französisch ein Klassiker, auf deutsch eine Katastrophe.
Schauspieler wie Reno oder Depardieu überzeugen aber natürlich nicht nur in Komödien, sondern ebenso in anderen Genres:
Jean RENO :
Die purpurnen Flüsse, Leon (hier vor allem der "directors cut"), Le Grand Bleu,
Mission : Impossible etc
Gérard DEPARDIEU : 1492 - Chr. Kolumbus, Die Frau nebenan (Truffaut) , Balzac
(mit Katja Riemann) ...

zu deutsch "Die Gebräunten",
ist einer der Kultfilme in Frankreich. Er entstand aus der Komikertruppe "L'Equipe
du Splendid", bestehend aus
Christian CLAVIER
(heute auch bekannt aus einem Asterix-film, aus "Les Visiteurs", aus "Enquête
corse" u.v.m.),
Thierry LHERMITTE (der ja mittlerweile auch in Deutschland sehr bekannt und
beliebt ist),
Michel BLANC, heute ebenfalls ein vielbeschäftigter Mann in der
französischen Filmindustrie, sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur (dieses
Wort gibt es im französischen übrigens nur in anderen Zusammenhängen - beim Film
heißt dieser Posten : "metteur en scène" oder allenfalls noch "réalisateur")
und schließlich noch
Gérard JUGNOT,
der erst kürzlich mit "Die Choristen" als Schauspieler und Produzent Furore
machte.
Die weiblichen Parts wurden von
Marie-Anne CHAZEL gespielt, die bis vor kurzem noch mit Chr.CLAVIER
verheiratet war.
Diese Truppe kannte sich bereits von der Schule her und trat erfolgreich auf Kleinkunstbühnen auf. Später stieß noch Josiane BALASKO zur Truppe.
Durch ihre Erfolge wurden sie drei Jahre hintereinander im Club Med für die Saison engagiert und aus diesen Erfahrungen resultierte dann 1978 die Komödie "Les Bronzés", über eine Gruppe von Urlauber-Neuankömmlingen im Club Med an der Elfenbeinküste.
Der Film wurde ein Riesenerfolg und wird auch heute noch oft zitiert.
Später
wollten die Truppe ein anderes Theaterstück inszenieren, mit den Titel "Le père
noël est une ordure" - Der Weihnachtsmann ist ein Stück Dreck/Abfall.
Um den Kindern nicht ihren Glauben an den Weihnachtsmann zu zerstören, wurde die
Plakatierung in öffentlichen Verkehrsmitteln für dieses Stück / Film untersagt.
Der Produzent machte ebenfalls zur Auflage, dass eine Fortsetzung von "Les
Bronzés" gedreht werden sollte, was von der Truppe eigentlich gar nicht geplant
war. Und so entstand Ende 1979, wieder unter der Regie von Patrice LECONTE, "Les
Bronzés font du ski", Les Bronzés beim Skifahren.
Im Januar 2006 kam nun "Les Bronzés 3 - Freunde fürs Leben" heraus.
Coluche
wurde in Deutschland in erster Linie durch seine Clownerien - wie z.B. in Louis de Funès Filmen bekannt. In Frankreich war er aber vor allem auch wegen seiner politischen Seitenhiebe bekannt. Das ging soweit, dass er im Oktober 1980 sogar seine Kandidatur zur französischen Präsidentschaftswahl bekannt gab.
Die schweren
sozialen Missstände, der Skandal, als Giscard D'Estaing ein Päckchen Diamanten -
eigentlich ein Staatsgeschenk Bokassas - ganz selbstverständlich für sich behielt, die allgemeine
Politikverdrossenheit mangels interessanter Gegenkandidaten, das alles
provozierte diese Protestkandidatur.
Coluche schlug beispielsweise vor, Briefmarken mit den Abbildungen von "Ärschen
und Schwänzen" herauszubringen,
die man dann ( wie es bei Briefmarken eben so üblich ist) zum Gebrauch ablecken
muss.
"Lasst uns die Scheiße an der Basis kräftig umrühren, damit denen an der Spitze der Gestank gehörig in die Nase steigt."
Sehr zum Missfallen der "ordentlichen" Politiker, überraschte er in
Umfrageergebnissen mit 16 % Stimmanteil ! Er legte zwar seine Kandidatur
im April '81 nieder, aber der Imageverlust der Staatsführung blieb als Lachnummer
bestehen.
Präsident wurde an seiner Stelle dann Mitterand.

Als begeisterter Motorradfahrer stellte er am 29. September 1985 auf der italienischen Rennstrecke Nardo einen neuen Geschwindigkeits-Rekord über einen Kilometer mit stehendem Start auf :
252,087 km / h auf einer Yamaha OW-31 mit 750 cm3

Coluche kam am 19.Juni 1986 mit nur 41 Jahren in der Nähe von Cannes bei einem Motorradunfall ums Leben : bei schönem Wetter und 55 km / h

Die "Restaurants des Herzens" sind aber das eigentliche Vermächtnis des Clowns "Coluche". Er rief diese Armenspeisung Ende 1985 ins Leben. Nach der ersten Aktion, nur drei Monate nach der Eröffnung der ersten Zentren, waren von den 5000 freiwilligen Helfern 8,5 Mio. Mahlzeiten verteilt worden. Empfänger dieser Leistungen sind keineswegs nur Obdachlose, es handelt sich auch um Leute, die durchaus noch eine Wohnung haben, auch eine Arbeit, aber denen beispielsweise durch Arbeitslosigkeit des Ehepartners vorübergehend nicht genug zum Leben bleibt - sprich unterhalb der Armutsgrenze leben.
Um seine
Aktion noch populärer zu machen, ging Coluche eines Tages in die Garderobe des
Chansoniers Jean-Jacques Goldmann und sagte :
Wir brauchen ein eingängiges Lied für
die "Restos du coeur" Du kannst so was !
Aha, und für wann brauchst Du es ?
Nächste Woche !
Und J.J. Goldmann hielt Wort. Das Lied wurde mit Stars aus der Musik-, TV /
Kino- und Sportwelt aufgezeichnet (Nathalie Baye, Coluche selbst, Catherine
Deneuve, Michel Drucker, Yves Montant und Michel Platini) und wurde zum Erfolg.
Coluche rief eine begleitende Fernsehsendung ins Leben, bei der alles von Rang
und Namen auf die Bühne stellte und die Aktion ist bis heute Tradition
(die oben bereits erwähnte Chimène Badi sowie Alizée wurde mittlerweile auch in
diesen erlauchten Kreis aufgenommen)
Jedes
Jahr treten "Les Enfoirés" wie dieser lose
Zusammenschluß der Künstler genannt
wird, in einer spektakulären Show auf, die anschließend auch auf CD und DVD
verkauft wird und der Erlös geht natürlich an die Restos du coeur : 16,7 % von
deren Einnahmen stammen von dieser Veranstaltung.
Rund 40 % der Einnahmen
stammen aus privaten Spenden, 20 % kommen von anderen Organisationen und 12,5 %
kommen in Form von Lebensmittelspenden von der Europäischen Union.
Bei der Kampagne 2002 / 2003 wurden beispielsweise :
an 610.000 Personen (darunter 27.000 Babys unter 18 Monate)
dank der Hilfe von 42.000 Freiwilligen
in 2.100 Zentren
61,5 Mio. Essen verteilt
Ferner werden z.B. auch Hilfsbedürftigen Notunterkünfte zur Verfügung gestellt, Essen auf Räder organisiert etc.

Am 22. Januar 2007 verstarb ein anderer Revolutionär, der sein Leben ebenfalls den Ärmsten gewidmet hatte. 1912 in Lyon geboren, wurde er mit 19 Jahren Kapuzinermönch. Der Auslöser für sein Lebenswerk war jedoch eine kalte Januarnacht 1954, in welcher eine Obdachlose erfror, in ihrer Hand das einzige "Ausweis"dokument haltend, das ihr geblieben war - der Räumungsbescheid für ihre Mansardenwohnung. Am nächsten Morgen forderte Abbé PIERRE über Radio die Bevölkerung auf, Sachspenden für die Obdachlosen zu organisieren.
Noch im gleichen Monat meldete er seine Stiftung namens "EMMAÜS" an, die heute sogar international tätig ist.
Man kann in den Sammelstellen Kleidung und Hausrat abgeben, der zu sehr günstigen Preisen an Leute verkauft wird, welche nicht viel Geld haben und dieser Verkaufserlös kommt schliesslich den Obdachlosen zugute.
Abbé PIERRE hat es verstanden, die Medien werbewirksam für sein "Unternehmen" zu nutzen, ist dabei aber immer bescheiden geblieben.
Trotz seines kirchlichen Hintergrundes blieb er immer kritisch, auch dem Papst gegenüber : er sprach öffentlich über Momente sexuellen Verlangens der zölibatären Priester, auch sprach er sich für Frauen im Priesterstand aus.
Eines seiner berühmten Zitate zum Thema AIDS lautete :
Eine HIV- positiver Christ, der ein Kondom benutzt, begeht eine schwere Sünde - nimmt er es nicht, wird er zum potentiellen Mörder. Jetzt sag mir, was soll er machen.
Das Mittags-Nachrichtenjournal auf TF1 berichtete an seinem Todestag die ganzen 45 Minuten ausschliesslich über sein Leben, am nächsten Tag war die Seite 1 aller Zeitungen Abbé PIERRE gewidmet.
Sind Sie zufällig auf diese Seite gelangt und haben kein
Navigationsframe ?
Dann geht's hier zur
original
Startseite
mit tonnenweise Infos
zur Côte d'Azur
© 2010 www.voila-la-france.de